Alain Paul ist dafür bekannt, ballettinspirierte Bewegung mit skulpturalem, genderneutralem Tailoring zu verbinden. Als ausgebildeter Tänzer versteht er Kleidung als Erweiterung des Körpers. Diese Konsequenz zieht sich durch seine Arbeit, und auch Herbst/Winter 2026/27 setzt seine fortlaufende Auseinandersetzung mit Bewegung und Konstruktion fort. Ausgehend von historischer Kleidung ab dem 18. Jahrhundert holt der Designer diese Referenzen durch Proportion, Spannung und Vorstellungskraft in die Gegenwart — eine Erinnerung daran, dass Mode immer noch als Kunst funktionieren kann und nicht nur als Produkt.
Alainpaul Herbst/Winter 2026/27 Kollektion
Texturen und Oberflächen prägen die Kollektion über Womenswear und Menswear hinweg. Florale Motive erscheinen in Stickereien und reliefartigen Applikationen, die den Körper formen. In Zusammenarbeit mit Les Teintures de France wird ein Wandteppichmotiv aus dem 18. Jahrhundert zu Reliefprints und strukturiertem Denim übersetzt, während Strick, entwickelt mit Cecilie Feilchenfeldt, flexible Stäbchen integriert, die sich mit dem Körper bewegen.
Womenswear
Historische Referenzen zeigen sich vor allem in den Proportionen und romantischen floralen Prints. Fliessende Kleider aus Satin und Viskose-Crêpe weiten sich zu pannierartigen Volumen, während drapierte Röcke und plissierte Stoffe an Kleidungsstücke erinnern, die von der Zeit geformt wurden. Schleifen, Bänder und Rüschen durchbrechen das strenge Tailoring und machen die Silhouette weicher, ohne an Präzision zu verlieren. Eine leise Fantasie darüber, was Marie Antoinette – oft als eine der ersten Fashion-Influencerinnen der Geschichte betrachtet – wohl getragen hätte, wenn sie sich im Jahr 2026 kleiden würde.



Menswear
Die Menswear wirkt düsterer und bildet einen urbanen Gegenpol. Tailoring trifft auf Sportswear in Form von Parkas aus Silk-Cupro, strukturiertem Strick und Lammlederjacken mit betonter Taille und skulpturalen Taschen. Strickpullover und Cardigans greifen die typische Bolero-Ärmel-Signatur der Marke auf, während die Hosen schmal und lang bleiben und dem Körper die kontrollierte Beweglichkeit erlauben, die Pauls vom Tanz geprägte Designsprache auszeichnet.


Die Herbst/Winter 2026/27 Kollektion von Alainpaul bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Disziplin und Loslassen, in dem die Kleidungsstücke ihre Struktur behalten und sich dennoch mit dem Körper bewegen. Inspiriert von der Sprache des Tanzes und den Echos historischer Kleidung zeigt der Entwurf, dass Mode – ähnlich wie Choreografie – erst durch Bewegung lebendig wird. Das Ergebnis ist keine Nostalgie, sondern eine stille Romantik: eine Garderobe, geformt durch Vorstellungskraft.
Teaserfoto & Looks: © Launchmetrics SpotlightSM
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