Seit über einem Jahrzehnt kämpft der Konzeptladen Things We Love gegen die Wegwerfkultur in der Mode. Gründerin Stefanie Gubser bringt in den in Pop-up-Stores überschüssige Ware kleiner Labels. So werden zeitlose, hochwertige Stücke, die sonst im Müll landen würden, wieder für KundInnen zugänglich.


Seit 15 Jahren setzt Things We Love ein Zeichen für bewussten Konsum. Das von Stefanie Gubser gegründete Schweizer Unternehmen gehört damit zu den Pionieren in Sachen nachhaltiger Mode. In den Pop-up-Stores können KundInnen durch Accessoires und Kleidungsstücke kleiner Labels stöbern, die in deren eigenen Läden nicht rechtzeitig verkauft wurden.
„Schöne, qualitativ hochwertige Mode ist zeitlos“ , sagt Gubser. Früher nur in Zürich vertreten, gibt es Things We Love seit Januar auch in St. Gallen. Ende März öffnete ein weiteres Pop-up in Basel.

Die Kosten billiger Mode
Schätzungsweise vier bis neun Prozent aller in Europa verkauften Textilien werden weggeworfen, obwohl sie unbenutzt sind. Diese Dead Stocks verursachen rund 5,6 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen. Zur Verdeutlichung, weil es so schwer vorstellbar ist: Das sind beinahe so viel wie die gesamten Netto-Emissionen Schwedens im Jahr 2021.
Mit Blick auf diese Problematik rückt nachhaltiger Modekonsum gerade wieder in den Fokus: Ab dem 19. Juli dieses Jahres dürfen große Modeunternehmen innerhalb der EU nur noch in Ausnahmefällen unverkaufte Kleidungsstücke oder Schuhe vernichten, für mittlere Unternehmen gilt diese Regel ab 2030. Ziel der EU-Kommission ist es, Labels dazu zu ermutigen, Bestände effizienter zu verwalten und Alternativen wie Weiterverkauf, Wiederaufarbeitung, Spenden oder Wiederverwendung zu prüfen.

So funktioniert nachhaltiger Weiterverkauf
Things We Love zeigt, wie es geht: Lokale Fashion Brands und Concept Stores können ihren Warenüberschuss in den Pop-ups verkaufen. Da die inzwischen über 90 PartnerInnen des Outlets einen verhältnismäßig hohen Anteil der Marge erhalten, ist der Weiterverkauf für sie nicht nur ideologisch, sondern auch finanziell attraktiv.
Für KundInnen bietet sich ein doppelter Vorteil: Sie finden Stücke ihrer Lieblingsmarken wieder – und dann erst noch zu reduzierten Preisen. „Das verleitet hoffentlich die eine oder den anderen dazu, öfter auf solche Kleidungsstücke zu setzen und seltener Fast Fashion zu kaufen“, sagt Gubser, die neben den Pop-ups auch den Secondhandladen Little Brick Lane in Zürich führt. Hochwertige Stücke können weiterverkauft oder weitergegeben werden, ein klarer Unterschied zu Billigmode von Ultra-Fast-Fashion-Marken wie Shein oder Temu. Diese hat wegen ihrer schlechten Verarbeitung oft nur eine kurze Lebensdauer und sei deshalb, so Gubser, nicht Secondhand-tauglich.

Das führt dazu, dass Billigkleider in der Altkleidersammlung landen. Ballenweise werden sie daraufhin nach Afrika versandt und landen dort in lokalen Secondhandläden oder auf Märkten. So erlebt es auch Gubser, die zwischen Ostafrika und der Schweiz wohnhaft ist. Sie erinnert sich an einen riesigen Secondhandladen in Kenia. „Die Fläche von etwa 500 Quadratmetern wird jeden Tag wieder gänzlich neu befüllt“, erzählt sie. Nur: Aufgrund ihres schlechten Zustands sind die Kleidungsstücke auch dort nicht attraktiv für KäuferInnen. Also heißt es: Entsorgung.
2024 dokumentierte das Schweizer Fernsehen die Berge aus Altkleidern, die sich in Ghana erheben in einer eindrücklichen Dokumentation. Zu sehen ist unter anderem, wie Kühe dazwischen nach Essen suchen. Aber auch in Bäumen hängend findet man die Altkleider. Andere liegen zu riesigen Tentakeln verknotet am Strand, wo sie Mikroplastik ins Wasser absondern. „Unser Land ist nicht euer Dumping Ground“, sagt eine lokale Tänzerin im SRF-Dokumentarfilm.
Auch aus diesem Grund lehnt Little Brick Lane solche Ware konsequent ab, in der Hoffnung, dass sich dies negativ auf die Konsumbereitschaft auswirkt. „Würden wir Billig-Teile annehmen, zögerten die KonsumentInnen beim Onlineshopping vermutlich seltener. Denn sie hätten die Gewissheit, dass sich das Gekaufte notfalls ja auch weiterverkaufen lässt.“


Vision eines zirkulären Konsumsystems
Für die Gründerin ist klar: „Wir müssen für unseren Modekonsum selbst Verantwortung übernehmen und lokale Lösungen schaffen.“ Deshalb sollen die Pop-ups künftig auch Secondhand-Mode von Little Brick Lane anbieten, um ein noch vielseitigeres und zirkuläres Einkaufserlebnis zu schaffen. Gleichzeitig möchte sie das Konzept in weitere Städte tragen und lokale KMUs einbinden, so wie es in Zürich bereits erfolgreich gelungen ist.
„Wenn ich groß denke, wünsche ich mir, auch in London, Paris, Hamburg und Berlin Pop-ups zu eröffnen“, sagt Gubser. Doch erst einmal stehen die Schweizer Städte auf dem Plan.

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Fotos: © Things We Love, Little Brick Lane






