Francis Kéré ist die erste in Afrika geborene Person, die mit dem renommierten Pritzker-Architekturpreis ausgezeichnet wurde. In seinem neuen, beim Taschen Verlag erschienenen Bildband „Building Stories“ öffnet er die Türen zu 26 seiner bedeutendsten Projekte – von der legendären Grundschule in Gando, die Kéré noch während seines Studiums an der Technischen Universität Berlin baute, bis zu globalen Ikonen wie dem Serpentine Pavilion in London. Mit bisher unveröffentlichten Skizzen, Fotos und persönlichen Erzählungen zeigt Kéré, wie Architektur durch den Einsatz lokaler Materialien und partizipativer Planungsprozesse entsteht.



Diébédo Francis Kéré ist kein Architekt, den man so leicht in eine Schublade stecken kann. 1965 in Gando, einem Dorf im heutigen Burkina Faso, geboren, war er als Sohn eines Ortsältesten der erste aus seiner Gemeinschaft, der eine formale Ausbildung erhielt. Ein Stipendium brachte ihn nach Deutschland, wo der Älteste von dreizehn Geschwistern zunächst seine Schreinerlehre beendete und das Abitur ablegte, bevor er an der Technischen Universität Berlin Architektur studierte. Noch vor seinem Abschluss baute Kéré, der heute unter anderem in Harvard und Yale unterrichtet, eine Grundschule in seinem Heimatdorf. Dafür erhielt er 2004 den Aga Khan Award for Architecture. 2022 folgte der Pritzker-Preis, die höchste Auszeichnung in der Baukunst. Zu den früheren PreisträgerInnen des sogenannten „Nobelpreis der Architektur“ gehörte unter anderem Zaha Hadid.




Lehm, Licht und Gerechtigkeit
Architektur kann vieles sein: Statussymbol, ästhetische Geste oder technologische Machtdemonstration. Für Francis Kéré jedoch ist sie vor allem eines: ein Mittel zur Verbesserung von Lebensbedingungen. Der Taschen Verlag würdigt sein Werk nun mit einem großformatigen Bildband: „Building Stories“ versammelt drei Jahrzehnte architektonischen Schaffens. Vorgestellt werden 26 Arbeiten seines sozial engagierten Architekturbüros „Kéré Architecture“. Von frühen Bauten in Westafrika und dem Serpentine Pavilion in London über das Nationaltheater in Oslo und das Thomas-Sankara-Denkmal bis zum Ende 2025 vorgestellten Las Vegas Museum of Art. Der Bildband bietet neben eindrücklichen Fotografien und Plänen auch Essays der ghanaisch-schottischen Wissenschaftlerin und Schriftstellerin Lesley Lokko sowie von Kérés Mentor Juhani Pallasmaa, die Kérés Werk in einen größeren kulturellen, ethischen und architektonischen Diskurs einbetten.




Was Kérés Architektur so ungewöhnlich macht: Sie denkt immer von den Menschen her, die in ihr leben werden. Seine Dächer sind so konstruiert, dass Heißluft entweichen kann. Seine Wände aus Lehm halten die Temperatur natürlich reguliert. Und seine Bauprozesse sind so angelegt, dass lokale Gemeinschaften nicht nur Auftraggeber, sondern Mitbauende sind. Der 444-seitige Band, der von der niederländischen Buchgestalterin und Typografin Irma Boom, auch als „Queen of books“ bekannt, in ihrem Amsterdamer Grafikdesignstudio gestaltet wurde, macht diesen experimentellen Prozess greifbar.





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Fotos: © Francis Kéré
Ein weiteres tolles Werk, courtesy of Taschen-Verlag, ist Homes for our time: Sustainable Living. Lies hier unsere Buchbesprechung dazu.






