Wer einen Adelstitel mit sich rumträgt, muss sich mit lästigen Vorurteilen rumschlagen. Doch Eugenia von Hannover ist viel zu beschäftigt, um sich auf Klatsch einzulassen. Die 25 Jährige ist mitten im Medizinstudium und baut gleichzeitig ihre Modelkarriere auf. Wir wollten von ihr wissen, wie sie Schönheit definiert, was Mode und Medizin voneinander lernen können und wo sie ihre Zukunft sieht.
FACES: Für unser Shooting musstest du nicht selbst Hand anlegen. Magst du es lieber, dich selbst zu schminken, oder wirst du lieber von den Profis geschminkt?
Eugenia von Hannover: Ich schminke mich lieber selbst, weil ich mein Gesicht am besten kenne. Bei professionellen Make-ups sehe ich manchmal ganz anders aus und erkenne mich selbst kaum wieder. Genau das finde ich aber auch spannend, denn gerade in der Mode geht es darum, wandelbar zu sein und immer wieder neue Seiten von sich zu entdecken.
F: Ohne welche Beautyprodukte in der Handtasche verlässt du ungern das Haus?
EH: Lippenpflege. Am liebsten ganz klassisch Wollwachs oder einen schönen Lipgloss. Besonders mag ich Lipglosse mit einem leichten Plumping-Effekt.
F: Hast du einen ungewöhnlichen Make-up-Trick, den du mit uns teilen willst?
EH: Ich benutze Lipliner gerne zweckentfremdet, zum Beispiel als Blush oder am Lidkranz.
F: Wie lange brauchst du morgens, um dich fertig zu machen?
EH: Wenn ich ins Krankenhaus fahre, zählt jede zusätzliche Minute Schlaf, da brauche ich meistens nur fünf bis zehn Minuten. Wenn ich etwas mehr Zeit habe und mich in Ruhe fertig machen kann, sind es auch mal 20 Minuten.
F: Was bedeutet Schönheit für dich heute – und wie hat sich diese Definition über die Jahre verändert?
EH: Für mich geht es heute nicht mehr darum, dass ein Gesicht einem bestimmten Schönheitsideal oder dem goldenen Schnitt entspricht. Ich finde es viel schöner, wenn Menschen besondere und einzigartige Merkmale haben, die aus einem Gesicht herausstechen und es unverwechselbar machen. Aber am Ende ist es sowieso die innere Schönheit, die wirklich zählt. Humor, Ausstrahlung, Charakter und die Art, wie ein Mensch mit anderen umgeht, machen für mich einen Menschen schön. Persönlichkeit entscheidet darüber, ob ich jemanden wirklich schön finde.
F: Gibt es etwas an dir, das du früher verändern wolltest und heute besonders liebst?
EH: Meine Zahnlücke. Früher habe ich oft mit dem Gedanken gespielt, sie mit einer Zahnspange korrigieren zu lassen. Heute bin ich sehr froh, dass ich es nicht gemacht habe, denn sie gehört einfach zu mir und ich mag sie sehr.
„Persönlichkeit entscheidet darüber, ob ich jemanden wirklich schön finde.“
F: Welche Eigenschaft macht einen Menschen für dich sofort attraktiv?
EH: Humor. Ich liebe Menschen, mit denen ich viel lachen kann.
F: Was hat dich an der Modewelt am meisten überrascht, als du zum ersten Mal hinter die Kulissen blicken konntest?
EH: Ich war überrascht, wie offen die Menschen miteinander umgehen. Man bekommt schnell das Gefühl, sich schon ewig zu kennen, obwohl man sich gerade erst begegnet ist. Und irgendwie passt man sich dieser Dynamik genauso schnell an, so als würde man eine eigene Sprache sprechen.
F: Was würdest du an der Modeindustrie sofort ändern, wenn du könntest?
EH: Die Sicherheit. Sowohl die mentale Sicherheit für Menschen, die in dieser Branche vielleicht besonders verletzlich sind, als auch der Schutz vor Übergriffen. Ich selbst war glücklicherweise nie davon betroffen, aber solche Fälle gibt es leider immer wieder. Ich würde mir wünschen, dass viel mehr Wert darauf gelegt wird, dass sich jeder in dieser Branche sicher, respektiert und wohlfühlen kann.
F: Dein liebster Modeljob bis jetzt?
EH: Einen liebsten Modeljob zu wählen, ist gar nicht so einfach. Besonders schön war aber meine Zeit 2023 in Singapur, wo ich über zwei Monate als Model gearbeitet habe. Ich durfte dort für Fashionmagazine wie Harper’s Bazaar, Vogue und Elle shooten. Bei vielen Jobs war das Team dasselbe. Und weil Singapur relativ überschaubar ist, trifft man immer wieder auf die gleichen Menschen. Das habe ich sehr geschätzt. In der Modelwelt finde ich die ständige Einsamkeit manchmal schwierig, weil man von Set zu Set wieder bei null anfängt. In Singapur konnte ich dagegen echte Verbindungen aufbauen, und das hat die Erfahrung für mich besonders gemacht.
F: Die meisten Menschen können sich Modeln und Medizin kaum in derselben Person vorstellen. Du machst jedoch beides. Warum funktionieren diese beiden Welten für dich trotzdem gut?
EH: Gerade in der Medizin ist es wichtig, ein breites Spektrum an Menschen und Lebenswelten kennenzulernen. Man entwickelt dadurch ein besseres Verständnis für Menschen und dafür, wie unterschiedlich das Leben außerhalb des Krankenhauses sein kann. Für mich persönlich ist das Modeln ein Ausgleich. Ich liebe die Fashionindustrie, bin aber froh, meine Leidenschaft in der Medizin gefunden zu haben. Medizin fordert meinen Kopf und gibt mir das Gefühl, etwas bewirken zu können, während das Modeln für mich die kreative und spielerische Seite ist. Im Moment möchte ich beides nicht missen.
F: Gibt es etwas, das die Modewelt von der Medizin lernen könnte – und umgekehrt?
EH: Die Modewelt könnte von der Medizin lernen, mehr auf den Menschen hinter dem Äußeren zu schauen und die mentale Gesundheit stärker in den Fokus zu stellen. Umgekehrt könnte die Medizin von der Mode lernen, dass nicht jedes Schema zu jeder PatientIn passt und Individualität sehr wichtig ist.
F: In der Medizin geht es um den Menschen hinter der Fassade. Hat das deinen Blick auf Schönheit verändert?
EH: Natürlich. In der Medizin merkt man schnell, dass es im Leben um so viel mehr geht als um Schönheitsideale oder Äußerlichkeiten. Menschen zu sehen, die täglich um ihr Leben kämpfen, lässt einen die Welt mit anderen Augen sehen. Kleine Probleme werden plötzlich unwichtig. Wahre Schönheit liegt für mich in der inneren Stärke, in der Freude, im Zusammenhalt einer Familie und darin, das Leben bewusst zu schätzen.
F: Was war der Moment im Studium, der dich am meisten geprägt hat?
EH: Ich denke noch oft an die Zeit zurück, in der ich kurz auf der Jugendpsychiatrie gearbeitet habe. Besonders geprägt hat mich zu sehen, wie schwierig die Behandlung psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sein kann, wenn sie nach dem stationären Aufenthalt in ein instabiles Umfeld zurückkehren, das wenig Halt und Unterstützung bietet. Mir wurde dort sehr bewusst, wie entscheidend das soziale Umfeld für den langfristigen Behandlungserfolg ist.
F: Und was war bisher der Moment, in dem du dachtest: „Genau deshalb möchte ich Ärztin werden“?
EH: Eigentlich sind es die täglichen Momente, in denen man Dankbarkeit zurückbekommt. Zu wissen, dass man etwas dazu beitragen kann, dass es einem anderen Menschen wieder besser geht, ist für mich unglaublich erfüllend.
„Medizin fordert meinen Kopf und gibt mir das Gefühl, etwas bewirken zu können.“
F: Du bist in Wien zuhause. Wohin würdest du jemanden mitnehmen, der die Stadt noch nie gesehen hat – und wohin jemanden, der glaubt, Wien bereits zu kennen?
EH: Auf jeden Fall in das Café Bendl, es ist eines der urigsten Lokale Wiens, in dem man die Wiener Kultur und ihren ganz eigenen Schmäh besonders authentisch erlebt. Wenn man das erste Mal in Wien ist, muss man selbstverständlich die Hofburg besichtigen. Sie ist flächenmäßig der größte Palastkomplex Europas. Mein persönlicher Lieblingsort ist der Burggarten, direkt hinter der Hofburg. Dort steht auch das Palmenhaus, das früher ein Gewächshaus war und heute ein Café und Restaurant ist.
F: Wo findest du in Wien Ruhe, wenn alles gerade sehr laut wird?
EH: Bei mir zuhause. Ich lebe seit fünf Jahren mit meinem Bruder zusammen und dort kann ich zur Ruhe kommen.
F: Trägt der Name „Hannover“ für dich eher Geschichte, Erwartung oder einfach nur Identität?
EH: Der Name Hannover ist für mich vor allem mit Geschichte verbunden. Ich finde es spannend, diese Geschichte nicht nur aus Büchern zu kennen, sondern sie auch durch die Erzählungen der älteren Generationen persönlich mitzuerleben. Natürlich bringt der Name auch gewisse Erwartungen und Vorurteile mit sich. Trotzdem sehe ich ihn nicht als meine Identität. Ich bin mehr als nur ein Name.
F: Wie siehst du deine Zukunft: Als Ärztin, Model, beides?
EH: Meine Zukunft sehe ich vor allem im medizinischen Bereich. Die Modeindustrie möchte ich aber immer in guter Erinnerung behalten und jetzt noch so viele schöne Erfahrungen und Erinnerungen wie möglich sammeln.
F: Verrate uns etwas über dich, das kaum jemand weiß!
EH: Ich würde gerne einmal die Erfahrung im Schauspielbereich machen. Ich weiß nicht, ob es jemals dazu kommt, aber bei einem Thriller wäre ich gerne mal auf der anderen Seite und nicht nur Zuschauerin.
F: Gibt es Vorurteile über dich, die dich inzwischen eher amüsieren?
EH: Dass ich mir die Zulassung zum Medizinstudium erkauft hätte. Ich musste wie jeder andere den medizinischen Aufnahmetest bestehen. Das amüsiert mich sehr.
F: Was steht auf deiner Bucket List?
EH: Auf meiner Bucket List steht auf jeden Fall Skifahren in Japan. Ich war noch nie dort und würde gerne einmal an einem Vulkan Skifahren und
EUGENIA VON HANNOVER
Ihr Leben klingt wie ein Märchen. Und zwar nicht nur, weil Eugenia von Hannover tatsächlich adlig und somit Prinzessin ist – der Wunsch eines jeden kleinen Mädchens –, sondern vor allem, weil die 25-Jährige ihr Leben in vollen Zügen lebt. Die Wahlwienerin studiert leidenschaftlich Medizin und steht ebenso leidenschaftlich als Model vor der Kamera. Noch kostet sie die Modewelt voll aus, doch ihre Zukunft sieht sie in der Medizin. @eugeniaha
Unseren ganzen Shoot mit Eugenia und Yves Saint Laurent Beauty siehst du hier.
Was bei Eugenia alles so ansteht, kannst du hier mitverfolgen.






