Wie viele Fotos wohl jeden Tag aufgenommen werden? Vom Smartphone über die alte analoge Kompaktkamera bis hin zum professionellen Studio-Setup wohl zu viele, um sie zählen zu können. Und ganz ehrlich: Nicht jedes Foto ist sehenswert. Darum sind wir froh, kuratiert die photoSCHWEIZ jedes Jahr aufs Neue eine Auswahl mit den besten Werken von gut 250 Fotografie-Talenten. Aufstrebende NewcomerInnen haben an der mehrtägigen Werkschau genauso ihren Platz wie die alten Hasen der Fotoindustrie. Wer sich nicht bis Februar gedulden mag, blättert bei uns durch einen Vorgeschmack auf die Ausstellung, die Zürich für fünf Tage in ein Fotografie-Mekka verwandelt.
SANTIAGO MARTINEZ
Manche FotografInnen kaufen sich am liebsten die allerneuste Kamera. Andere, wie Santiago Martinez, bauen sich lieber ihren eigenen Fotoapparat. Seine eigene Konstruktion erzeugt A4 Abdrücke und wurde aus einem dekonstruierten Kopierer mit Großformatobjektiv gefertigt. So viel Kreativität und unkonventionelles Denken hat dem Fotografen den Swiss Design Award 2025 in der Kategorie Fotografie verschafft.


BRUTUS LABICHE
Der Weg zur Fotografie ist nicht immer linear. Brutus Labiche, die bürgerlich Sandra Habiyambere heißt, hat die visuelle Welt als Model, Art Director und Stylistin kennengelernt, bevor sie sich Selbstporträts und Malerei widmete. In ihrer multidisziplinären Kunst benutzt sie Materialien wie Holz, Kunsthaar, Ölpastell, Wachs und Textilien. Indem sie Schweizer Mythologien durch die Linse einer Schwarzen Frau betrachtet, möchte sie ein neues kulturelles Gedächtnis erschaffen, das vorherrschende Narrative hinterfragt.

LAURENCE KUBSKI
Die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist komplex. Die Waadtländische Fotografin Laurence Kubski untersucht sie in verschiedenen Kulturen. Für ihre Arbeit „Big Fish“ verfolgt sie den Handel mit Zierfischen zurück zu seinen Ursprüngen, von Schweizer Aquarien zu indonesischen FischerInnen und zeigt so das Paradox, Lebewesen zu rein visuellen Zwecken zu züchten. Für ihre Fotografie wurde sie bereits mit dem Swiss Young Talent Award for Photography und dem Swiss Design Award ausgezeichnet.

MARGAUX CORDA
Zwischen Paris und Lausanne widmet sich Margaux Corda als Freelancerin verschiedenen Fotografieprojekten. Ihr thematischer Fokus liegt auf Identität, Geschlechterfragen, Schönheit und Herkunft und wie diese in der westlichen Welt dargestellt werden. Als queere Person hinterfragt sie nicht nur die üblichen Darstellungen von Geschlechtern, sondern auch das historische, emotionale und familiäre Erbe, das uns allen mitgegeben wird und versucht, dieses zu dekonstruieren, um es so besser zu verstehen.

ARTHUR HECK
Wie reagiert der Körper auf gesellschaftliche Veränderungen? Arthur Heck verfolgt mit seinen Installationen und Fotografien genau diese Frage. Dabei fängt er sanfte Momente der Verbindung und Intimität ein und kreiert subtile Spannungen zwischen Verletzlichkeit und Dringlichkeit. Arthur schloss seinen Master of Fine Arts mit Auszeichnung an der Zürcher Hochschule der Künste ab.

MARCO VANNOTTI
Eine unübliche, aber eigentlich sehr passende Kombination: Marco Vannotti ist Fotograf und Psychologe. Er rückt seinen Blick auf das Alltägliche, scheinbar Nebensächliche oder Unscheinbare und verleiht diesem neue Perspektiven und Sichtbarkeit. Dabei kreiert der Wahlzürcher vielschichtige Porträts, die durch ihren Blick fürs Detail und eine spürbare Sensibilität auffallen.

JOHANNA HULLÀR
Ihre Arbeit steht ganz im Namen der Transdisziplinarität: Johanna Hullàr erforscht neue Wege, wie man Standbilder und bewegte Bilder mischen kann, spielt mit Surrealität und Realität und der Interaktion von Menschen mit natürlichen und künstlichen Materialien. Ihrer Kunst fehlt es nie an einer humorvollen und femininen Perspektive. Sie gewann den Swiss Design Awards 2024 und den Prix de l‘ECAL 2020.

LOUISA AZZOUZ
Mit ihrer Arbeit gibt Louisa Azzouz den sogenannten „Neben-“ oder „Randgeschichten“ eine Stimme, und das stets aus einer feministischen, dekolonialen und intersektionalen Perspektive. So wirft sie einen kritischen Blick auf den Westen und hinterfragt, welchen Narrativen warum Raum gegeben wird. Körper, Identitäten und kulturelles Erbe stehen dabei im Mittelpunkt ihrer Praxis, die Fotografie, Video und Installation miteinander verbindet.

LUCE BERTA
Als Dichterin befasst sich Luce Berta eigentlich mit Sprache. Doch die ist gar nicht so weit von der Fotografie entfernt, denn beide kommunizieren mit den LeserInnen und BetrachterInnen. Ihren Hintergrund in vergleichender Kunst und Literatur nutzt die Italienerin, um Fotografie, Text und Installation zu verbinden. In ihrer Arbeit erforscht sie die Themen Spiegelung, Selbstbild und Identität.

VIRGINIA SOFIA NETA
Als visuelle Künstlerin tobt sich Virginia Sofia Neta mit Disziplinen von Zeichnung über Schreiben bis zur Fotografie aus. Der Fokus liegt dabei auf dem Körper und der Spannung zwischen dem, was gesehen wird und ungesagt bleibt. Für ihre fortlaufende Polaroid-Serie hat sie theatralische, Renaissanceähnliche Skulpturen abgelichtet, zuerst mit der Digitalkamera, dann erneut mit der Polaroidkamera.


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Fotos: © photoSCHWEIZ






