Dries Van Noten hat niemals Sicherheit geboten. Das Haus arbeitet eher intuitiv als nach Formeln und lässt sich vom Instinkt leiten statt von festen Vorsätzen. Van Noten Kollektionen wirken oft wie Ausgangspunkte – Einladungen, die eigene Identität zu erkunden und einen persönlichen Stil zu entwickeln. Für die Menswear Herbst/Winter 2026/27 baut Creative Director Julian Klausner auf dieser Philosophie auf und präsentiert eine Kollektion, die warm und intim wirkt. Handwerkskunst steht im Vordergrund. Texturen haben Bedeutung. Farben, Stoffe und Drucke treffen auf die bekannte Dries-Logik und ergeben unerwartete Kombinationen, die dennoch harmonisch zusammenpassen.
Die Dries Van Noten Menswear Herbst/Winter 2026/27 Kollektion
Die Kollektion setzt auf eine kumulative Wirkung statt auf eine einzige Aussage. Die Silhouetten sind eklektisch und langgestreckt, geprägt von Proportionen.
Strickwaren sind allgegenwärtig, manchmal dominant, manchmal auf Unterbrechungen reduziert. Sie mildern die Schnitte, tauchen in Details auf, erscheinen als Zöpfe, Einsätze oder Stickereien. Strick wirkt beruhigend, vertraut, bodenständig.

Outerwear unterstützt die alltäglichen Bewegungen, ohne die Reichhaltigkeit von Dries zu opfern: lange Bleistiftmäntel, Parkas, Capes und Capelets, die durch Volumen und mehrschichtige Oberflächen geformt werden.

Textur, Druck und Farbe bleiben zentral für das Vokabular des Hauses. Die Palette ist zurückhaltend, aber nicht flach. Schwere, matte Stoffe treffen auf leichtere, fließende Oberflächen mit dezentem Glanz. Verarbeitet werden Wolle, Shetland, gewachste und überfärbte Baumwolle, Seide, Jacquards und Flanell in klassischen Karos. Prints — Paisley, Fair Isle, Argyle, Streifen und Checks — ziehen sich durch die Kollektion, teils als Einsätze oder Stickereien, während Florals verschwommen und bewusst destabilisiert wirken.

Schuhe & Taschen
Die Schuhe bleiben, nun ja, bodenständig: Sneakers, Laufschuhe, Hi-Top-Boxerschuhe und Wholecut-Oxfords mit Brogue-Details – praktisch, schnörkellos, für Bewegung gemacht. Die Taschen sind übergroß und weich: Sporttaschen, Schulranzen und Schultaschen, die das Gefühl von Spontaneität und Alltagstauglichkeit verstärken.


Details
Details unterstreichen das organisierte Chaos der Kollektion. Ein Hemdgürtel wirkt fast wie ein Korsett. Mäntel und Jacken zeigen bewusst kontrastierende Futter. Grafische Socken unterbrechen den Look von polierten Schuhen. Kleine Brüche, die jeden Look in den Fokus rücken – theoretisch verwirrend, in der Ausführung präzise.

Fazit
Die Dries Van Noten Menswear Herbst/Winter 2026/27 Kollektion wirkt persönlich und emotional aufgeladen, vergisst dabei aber niemals den Komfort. Julian Klausner verfeinert die Sprache des Hauses und führt die Vertrautheit weiter. Nichts wirkt fest oder vorgeschrieben. Das Ergebnis ist eine Garderobe für Modebewusste, die verstehen, dass sich anzupassen eine verpasste Gelegenheit für den gelungenen Auftritt ist.
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Teaserfoto & Fotos: © Launchmetrics SpotlightSM






