Seit seinem Paris-Debüt 1973 gehört Valentino fest zum Rhythmus der Paris Fashion Week. Für Die Valentino Herbst/Winter 2026/27 Kollektion verlegte Creative Director Alessandro Michele die Bühne jedoch zurück nach Rom, um die Wurzeln des Hauses zu ehren – die Stadt, in der Valentino Garavani das Maison 1960 gründete. Die Show mit dem Titel Interferenze fand am 12. März im historischen Palazzo Barberini statt. Michele nutzt diesen Moment, um Spannungen zwischen Tradition und Bruch, Eleganz und Übertreibung sowie Ordnung und Störung zu erkunden.
Valentino Herbst/Winter 2026/27 Kollektion
Die Idee von Interferenze prägt die gesamte Kollektion. Alessandro Michele beschreibt damit das Aufeinandertreffen unterschiedlicher ästhetischer Kräfte innerhalb des Hauses Valentino. Historische Codes, Tailoring und dekorative Elemente überlagern sich und erzeugen eine Spannung zwischen Ordnung und Überfluss. Womenswear und Menswear verlaufen zwar parallel und teilen dieselbe dekorative Sprache sowie ähnliche Tailoring-Codes, bleiben aber dennoch klar voneinander unterscheidbar.
Womenswear
Die Womenswear balanciert Struktur und Opulenz. Lederjacken und Pelze bringen eine dramatische Präsenz, während skulpturale Jacken und fliessende Kleider die Silhouette formen. Plissierte Tuniken, Sequins, Spitze und juwelenfarbene Samtstoffe legen sich in Schichten über die Looks und erzeugen eine dichte Oberfläche aus Ornamenten. Transparenz, Verzierungen und weiche Drapierungen bewegen sich dabei zwischen Eleganz und theatralischem Exzess.




Menswear
Die Menswear wirkt zunächst zurückhaltender, ist aber keineswegs langweilig. Weiches Tailoring, hoch geschnittene plissierte Hosen und lange Mäntel schaffen verlängerte Silhouetten, die sich leicht bewegen. Die Farbpalette bleibt überwiegend gedämpft – Anthrazit, Camel und Olive – durchbrochen von Farbakzenten in Schals und Knit-Layern. Satin-Gürtel, drapierte Ausschnitte und strukturierte Stoffe bringen dennoch Micheles dekorative Handschrift ins Spiel.




Valentino Red
Ein Element bleibt in der gesamten Kollektion überraschend zurückhaltend: Valentino Red. Da die Show letztlich auch eine Hommage an den verstorbenen Valentino Garavani ist, könnte man erwarten, dass die ikonische Farbe den Runway dominiert. Stattdessen taucht sie nur punktuell auf – in einem Seidenrock, als kurzer Blick auf kniehohe Boots unter geschichteten Looks, in Rockstud-Heels, als Akzent in der Menswear und schliesslich im Closing-Dress.

Nach einer Saison, in der mehrere DesignerInnen in Traditionshäusern unsicher wirkten und stark auf Archiv-Referenzen zurückgriffen, wählt Michele einen anderen Weg – und das wirkt erfrischend. Er erkennt Valentinos Vermächtnis an, lässt es jedoch nicht die gesamte Kollektion bestimmen. Interferenze wird damit mehr als nur ein poetischer Titel; Es beschreibt Micheles Bereitschaft, seine eigene Handschrift mit den Codes des Hauses in Dialog zu setzen. Anstatt die Vergangenheit zu kopieren, stellt Michele sie neben seine eigene Vision – und deutet damit eine selbstbewusste Zukunft für Valentino an.
Die ganze Valentino Herbst/Winter 2026/27 Show findest du hier.
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Teaserfoto & Looks: © Launchmetrics SpotlightSM






