Der Herbst ist die Prime Time für Modefans, Farbe verlieren wir trotzdem nicht und auch Funktionskleidung ist Fashion: Hier kommen unsere liebsten Modeentdeckungen im September.
Trend
Everything at Once
Der Sommer ist eigentlich die schlechteste Jahreszeit für ModeliebhaberInnen. Gibt ja kaum etwas zu stylen, wenn man in einer Schicht schon zu schwitzen beginnt. Jetzt beginnt allmählich die Zeit, in der alles geht: Layern, Rollkragen, Minirock, eine Sonnenbrille braucht’s immer noch, aber die Handschuhe als Fashion-Statement kann man ebenfalls schon auspacken.

© Tom Ford
Exhibition
Zurück zum Ursprung
Bei Alaïa denkt man unmittelbar an Paris, die Modehauptstadt schlechthin, und wunderbare Couture-Kreationen. Doch Frankreich ist nur die halbe Geschichte. Azzedine Alaïas Heimat Tunesien und weitere afrikanische Länder haben ihn auch Jahre, nachdem er das Land verlassen hatte, geprägt. So hat ägyptische Ikonografie zu seinem ikonischen Bandagekleid geführt, das 1985 die Modewelt eroberte. Der Designer ließ sich auch gerne von Kindheitserinnerungen an Tunesien inspirieren, zum Beispiel von sogenannten Mashrabiyas – aus Holz geschnitzte ornamentale Gitterelemente an Fenstern –, die sich in seinen Designs widerspiegeln. In der Fondation Azzedine Alaïa in Paris kann man seine Beziehung zum afrikanischen Kontinent und deren klare Spuren in Alaïa-Entwürfen näher erkunden. Azzedine Alaïa et L’Afrique, bis 4. Januar 2027, Fondation Azzedine Alaïa, Paris, fondationazzedinealaia.org

© Fondation Azzedine Alaïa
It-Piece
Die Körpermitte finden
Um Spaß an der Mode zu haben, muss man Referenzen verstehen, sprich, sich nicht nur für Shopping interessieren, sondern auch für Geschichte, Popkultur und im Falle der Peplum-Silhouette idealerweise auch fürs alte Griechenland. Peplos bezeichnete ursprünglich knöchellange Tuniken, die in der Körpermitte gerafft wurden. Riesiger Zeitsprung nach vorn: In den frühen 2010er-Jahren waren Peplum-Tops mit Bleistiftrock die It-Girl-Uniform schlechthin. Zwischen Antike und Moderne erlebte die Schößchen-Form weitere Hochs, beispielsweise in den Fünfzigern. Damals war es Christian Dior, der den Trend setzte – heute ist es Jonathan Anderson, Creative Director von Dior, der das Peplum wieder zum Trend macht.

© Dior
We Love
Commitment Issues
Oft sind Träume wilde Hirngespinste, die sich kurz nach dem Aufwachen verflüchtigen. Manchmal, wenn man Glück hat, weisen sie einem den Weg. Designerin Amanda Cheng träumte einst davon, wie sie ihre eigenen Augenbrauen piercte. Was sich ihr Gehirn da im Schlaf zusammenreimte, war in echt kaum vorstellbar. Aufgewachsen in einer traditionellen Familie wurde ihr stets davon abgeraten, permanente Veränderungen an ihrem Körper vorzunehmen. Das Bedürfnis, sich kreativ auszudrücken, konnte Amanda aber nicht ignorieren. Daraus geboren: Arcus, ihr Sonnenbrillenlabel, das sie seit drei Jahren als One-Woman-Show in Paris führt. Ihre Brillen sind handgefertigt und handgepierct! Das perfekte Piece für alle, die sich nicht festlegen können, auffallen wollen, Angst vor der Piercingnadel haben oder einfach einzigartige Sonnenbrillen sammeln.
arcusparis.com



© Arcus
New Collection
Dreamcore
Wo hört die Realität auf und wo fängt ein Märchen an? Genau dort, wo diese Grenze verschwimmt, ist Cecilie Bahnsen zuhause. Ihre Entwürfe sind filigran, verspielt und zart. Und irgendwie doch ganz tough – siehe ihre Sneakerscollabs mit Asics oder die Outdoor-Entwürfe für The North Face. Die Herbst-Winter-Kollektion setzt auf die mittlerweile kultigen Blumen, Türkistöne und viel Volumen. Genau so zieht man sich an, wenn man bereit für den Herbst ist, den Sommer aber noch nicht ganz loslassen mag.
ceciliebahnsen.com

© Cecilie Bahnsen
Book
You Better Work!
Form oder Funktion? Oder beides? Das ist eine grundlegende Frage, die alles betrifft, was designt wird – also auch Kleidung. Dass Arbeitskleidung sich in erster Linie der Funktion widmet, ist klar. Hat sie deswegen nichts in der elitären Fashionwelt verloren? Keinesfalls. Workwear hat schon immer ihren Weg in die Mode gefunden. Doc Martens, Cargohosen, Utility-Westen – was einmal für harte körperliche Arbeit gedacht war, wird früher oder später zum Fashion-Statement. In „Blue-Collar Modernism: The Visual Culture of Workwear“ rückt Redakteur, Autor und Markenberater David Hellqvist Designerinnen in den Fokus, die auf Langlebigkeit, Reparierbarkeit und durchdachte Schlichtheit setzen. Denn wenn uns der anhaltende KI-Boom und die unerträglichen Hitzewellen diesen Sommer eines gelehrt haben, dann das: Auf Handwerkskunst und Nachhaltigkeit setzen ist wichtiger denn je. David Hellqvist, Blue-Collar Modernism: The Visual Culture of Workwear, gestalten, 272 Seiten, ca. 50.–, gestalten.com

© gestalten
Liebling
Daily Companion
Die Aussicht auf kühlere Tage, weniger Licht und wärmere Kleidung bringt ein Phänomen mit sich: Die Farbe geht verloren. Jacken und Pullis kommen in dunklen Tönen daher, als würden sie sich ganz brav dem Winterblues anpassen. Dabei bedarf es doch gerade dann Farbtupfer, wenn die Welt in eintöniges Grau schmilzt. Mit bunten Taschen beispielsweise. Longchamp hat für Herbst-Winter die Farbpalette ausgepackt. Die Le Pliage Xtra Glossy gibt’s in tollem Matcha-Grün und Azurblau. Und natürlich auch in Schwarz, für alle, die trotz unserem Aufruf zur Farbzelebrierung lieber dunkel-monochrom bleiben.
longchamp.com

© Longchamp






