Man soll andere Menschen nicht zu stark be- und verurteilen. Diesen Vorsatz schmeißen wir enthusiastisch über Bord, sobald der erste Montag im Mai vor der Tür steht. Denn wenn die Celebritys die legendären Treppenstufen zum Metropolitan Museum erklimmen, sind wir bereit, jeden Look von Kopf bis Fuß zu studieren. FACES Grafikdesignerin Bianca Ugas und FACES Senior Editor Josefine Zürcher teilen ihre persönlichen Tops und Flops der diesjährigen Met Gala, die unter dem Motto „Fashion is Art“ stand.
Josefines Top: Jordan Roth in Robert Wun
Was ist das für eine Kreatur, die Produzent und Modeikone Jordan Roth da mit sich schleppt? Ein Dämon, ein Geist, ein Alter Ego? Kunst darf und muss verwirren und bei den BetrachterInnen Unbehagen auslösen. Das ist mit diesem Look gelungen.

Josefines Top: Odessa A’Zion in Valentino
Sie hat zugegebenermassen noch nie nicht gut ausgesehen. Trotzdem ist dieser Look ein Paradebeispiel dafür, wie man einen Dresscode umsetzt und dabei seinen eigenen Stil nicht verliert. Haare und Make-up hat die Schauspielerin übrigens selbst gemacht, weil sie es anscheinend nicht mag, von zu vielen Leuten angefasst zu werden. Relatable.

Josefines Top: Connor Storrie in Saint Laurent und Hudson Williams in Balenciaga
Männer, aufgepasst: Von diesen zwei hübschen Jungs könnt ihr nicht nur lernen, wie man sich gut anzieht, sondern auch, was es heißt, ganz ohne toxische Männlichkeit durchs Leben zu gehen. Den Dresscode haben die beiden Schauspieltalente auf jeden Fall verstanden.


Josefines Flop: Bhavitha Mandava in Chanel
Bhavitha Mandava ist das erste indische Model, das eine Chanel-Show eröffnen durfte. Auch sonst sieht man das junge Model gerade überall. Dass sie ausgerechnet an die Met Gala in Jeans auftaucht, passt mir irgendwie nicht. Mag sein, dass ihre Ausstrahlung auch einen Casual Look in Kunst verwandelt. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass es die StylistInnen gar nicht gut mit ihr gemeint haben.

Josefines Flop: Katy Perry in Stella McCartney
Es gibt die Popstars, die weird und schrullig sein können, und es ist cool und es ist Kunst (ja, ich rede natürlich von Lady Gaga). Und dann gibt es Katy Perry, bei der einfach nichts so richtig funktionieren will. Auch dieser Look nicht, in dem sie aussieht, als wüsste sie nicht, ob sie noch einmal für elf Minuten ins All fliegen oder eine Zweitkarriere als Imkerin/Fechterin starten soll.


Josefines Flop: Blake Lively in Versace
Ironisch, dass Blake Livelys Figur Serena van der Woodsen in „Gossip Girl“ eine Fashionikone war. In echt kann ich mich an wenige gute Looks der Schauspielerin erinnern. Auch hier sieht sie aus, als stände die High School Prom Night vor der Tür. Oder als hätte sie sich an Halloween als Fee verkleidet.

Biancas Top: Emma Chamberlain in Mugler
Großen Applaus für Emma Chamberlain und Mugler! Für mich war das der beste Look des Abends. Das Kleid, das zum Teil von Van Goghs Garten in Arles sowie dem ikonischen Schmetterlingskleid von Mugler aus dem Jahr 1997 inspiriert ist, wurde von der Künstlerin Anna Deller-Yee in stundenlanger Handarbeit bemalt. Now that’s art.


Bianca Top: Anok Yai in Balenciaga
Neben dem voluminösen und drapierten schwarzen Balenciaga Kleid ist der Star der Show in Anoks Look definitiv das Make-up. Anok wollte eine Schwarze Madonna verkörpern. Wir kennen sie alle, die weinende Madonna, die man in jeder katholischen Kirche findet. Mit goldenem Glanz und Tränen setzt das Model eine politische Message: „In der aktuellen Weltlage brauchen wir Hoffnung, und ich habe das Gefühl, dass ich als Schwarze Madonna in einer von Trump geprägten Welt genau diese Botschaft vermitteln kann.“


Biancas Top: Rihanna in Maison Margiela
Rihanna, auch bekannt als Queen of the Met, enttäuscht auch dieses Jahr nicht. Ihr Look ist zwar keine sofort erkennbare Referenz oder ein Gag, wie bei vielen anderen, jedoch finde ich Margiela die perfekte Wahl für das diesjährige Thema. Kombiniert aus zwei Looks von Glenn Marten’s Haute Couture Kollektion wirkt das Kleid wie eine Skulptur. Aber ehrlichgesagt könnte Rihanna auch ein Kartoffelsack tragen und es würde wie Kunst aussehen.


Biancas Flop: Doja Cat in Saint Laurent
It’s giving beige trash bag? Die Inspiration war, laut Doja Cat, griechische Statuen. Von unzähligen Looks des Abends, die die gleiche Idee hatten, konnte mich diese Latex-Konstruktion am wenigsten überzeugen. Schade, da ich mich sehr auf Dojas interpretation des Themas gefreut hatte.

Biancas Flop: Kris Jenner in Dolce & Gabbana
Kris Jenner und Dolce & Gabbana entscheiden sich für Cultural Appropriation, shocking. Ich verstehe nicht, wie man im Jahr 2026 noch drauf kommt, als weißer Designer eine weiße Frau in einem Kimono einzukleiden. Aber ganz ehrlich, haben wir was anderes erwartet?

Biancas Flop: Cher in Burberry
Ich hatte große Erwartungen an Cher. Schließlich ist sie bekannt für ihre legendären Looks, vor allem an der Met Gala. Die Referenz für den Look war sie selbst im Naked Dress von 1974. Die Idee, sich selbst als Referenz zu haben, ist sehr Diva of her und ich liebe es. Aber die Umsetzung? Ich sehe es ehrlich gesagt nicht. Was hat dieses schwarze, bedeckte Kleid mit Jacke und Strümpfen mit dem legendären Naked Dress zu tun?

Was der diesjährige Dresscode „Fashion is Art“ bedeutet, erklären wir dir hier.
Hier kannst du dir das ganze Fashion-Spektakel noch einmal anschauen.
Fotos: © dpa picture alliance






