Was Familie bedeutet, empfindet jede Person individuell: Die Biennale Images Vevey zeigt in ihrer Ausstellung, wie vielfältig dieses Konzept gefasst werden kann.
„We are Family“ lautet das Thema der 10. Biennale Images Vevey.
Die Interpretationsmöglichkeiten sind vielfältig: ob aus biologischer, künstlerischer oder gesellschaftlicher Perspektive. Es geht um Identität, Herkunft und Erinnerungen aus der Kindheit. Zudem ist es auch eine Hommage an die Image Vevey Familie: Über 500 Kunstschaffende, BesucherInnen und PartnerInnen, die das Biennale Images Vevey seit 2008 geprägt haben.
Vom 5. bis 27. September verwandelt sich ganz Vevey in eine Bühne für 50 Kunstschaffende, die ihre Werke an verschiedenen Orten präsentieren: über den Dächern der Stadt bis in die Tiefen des Genfersees. Neben einer Ausstellung zu Richard Billinghams legendärem Bildband „Ray’s a Laugh“ und JRs partizipatives Kunstprojekt „Inside Out“ sind die Werke von FotografInnen aus 15 weiteren Ländern zu sehen.
Hier findest du fünf außergewöhnliche Projekte an der Biennale Images Vevey, die wir für dich zusammengestellt haben:

The Garden
Es wachsen nicht nur Pflanzen im Garten, sondern auch zwischenmenschliche Beziehungen. Siân Davy beschreibt den Garten als Metapher zum menschlichen Herz.
Deshalb lud die Fotografin aus Brighton Freunde und Familien in ihren Garten ein, um mehr über sie zu erfahren. Die Engländerin führte mit ihnen tiefgründige Gespräche und beobachtete, dass je mehr die BesucherInnen sich öffneten, desto durchwachsener wurde ihr Garten.

Come out
Sunil Gupta verdeutlicht, dass Blutsverwandtschaft nicht die einzige Form von Familie ist: vielmehr definieren sich diese Bindungen durch Sicherheit und Akzeptanz. Diese Geborgenheit fand er selbst innerhalb der LGBTQ+-Community, die für ihn zu einer ausgewählten Familie wurde. In den späten 80er-Jahren hielt Gupta die Pride-Marches in London fest. Lange bevor Konzerne die Bewegung für Marketingzwecke entdeckten, dokumentierte er die Energie und den mutigen Kampf für Gleichberechtigung auf den Straßen.


We can’t live without each other
Nicht nur die Jury, auch wir sind überzeugt: Karolina Wojtas’ Werk triumphiert durch seine Einzigartigkeit. Mit einer ordentlichen Portion Humor taucht die polnische Fotografin ab in die Welt der Geschwisterliebe und fängt ihre eigene Kindheit vor unseren Augen ein. Die Inszenierungen ihres Bruders wecken dabei eine tiefe Nostalgie und machen diese persönliche Erzählung für alle greifbar.


Ain`t no grave gonna hold me down
In ihrem Fotoband widmet sich Stacy Kranitz der sich verändernden Darstellung der Bevölkerung in den Appalachen und veranschaulicht, wie die Region im Laufe der Zeit zunehmend von Armut geprägt wurde. Mit viel Einfühlungsvermögen überzeugt Kranitz’ Werk durch eine erzählerische Intensität und historische Relevanz. Kranitz’ Analyse der Geschichte über ein Jahrhundert hinweg verdeutlicht, inwiefern die Fotografie unsere Wahrnehmung von Armut beeinflusst.


Ice Box
Oftmals offenbart der Blick ins Innere eines Kühlschranks mehr über eine Familie als bloße Worte. In Tokuko Ushiodas Serie „Ice Box“ lüftet die Japanerin die Geheimnisse verschiedener Haushalte. Angefangen hat sie in ihrer eigenen Küche, die sie mit ihrem Ehemann und Kind teilt. Später weitete Tokuko ihren Fokus auf die Verwandtschaft aus und stellte in ihrem Fotoband die Frage: „Is Mom a Refrigerator?»

Biennale Images Vevey
Vevey, Waadt
5. – 27.9.26
Mehr Infos zum Biennale Image Vevey findest du hier.
Fotos: © Biennale Images Vevey
Teaserfoto: © Come Out© Sunil Gupta, courtesy theartist and Hales Gallery, Matèria Gallery, Stephen Bulger Gallery and Vadehra ArtGallery. All Rights Reserved, DACS 2026.
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