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Home CULTURE

Die Kraft der Kunst: Berlin feiert das Soft Power Festival

by Alicia Buchs
02.09.2026
in CULTURE
Die Kraft der Kunst: Berlin feiert das Soft Power Festival

Anahita Sadighis Soft Power, das 2025 erstmals als Special Project der Berlin Art Week präsentiert wurde, entwickelt sich in diesem Jahr zum vollständigen Festival und vereint vom 11. bis 13. September rund 100 KünstlerInnen und MusikerInnen aus der ganzen Welt. Wir haben uns mit der Veranstalterin über die Idee hinter der Veranstaltung unterhalten.

Im Rahmen der Berlin Art Week 2026 bringt das transdisziplinäre Festival Soft Power Kunst, Musik und gesellschaftlichen Dialog unter einem Dach zusammen. Das Thema der Ausstellung lautet Soft Power: Der Begriff bezeichnet die Einflussnahme auf Staaten durch nichtmilitärische Mittel, etwa durch kulturelle Vorbildfunktion.

Kuratiert wurde das Programm von Galeristin Anahita Sadighi und Kunsthistorikerin Maria Inés Plaza Lazo.

Geplant sind unter anderem ein abwechslungsreiches Diskussionsprogramm mit Themen wie kollektive Vorstellungskraft, Kultur als politischem Handeln sowie die Verbindungen zwischen Kunst und Nachtleben.

Ein gemeinsam mit Refuge Worldwide gestaltetes, 36-stündiges Radioprogramm führt zudem internationale Stimmen, künstlerische Beiträge, Gespräche und musikalische Positionen zusammen. Damit der Körper zwischendurch auch bewegt werden kann, bietet der Sonnenraum neben der Ausstellung eine 48-Stunden-Tanzfläche 

Wir haben uns mit Anahita Sadighi über das Konzept der Veranstaltung unterhalten. 

FACES: Bei dem Event stellen ganz unterschiedliche KünstlerInnen aus. Nach welchen Kriterien hast du die KünstlerInnen und die Werke ausgewählt und wie hast du entschieden, wie sie im Raum zusammenwirken sollen?
Anahita Sadighi: María Inés Plaza Lazo und ich haben die Künstlerinnen nicht nach Medium oder Herkunft ausgewählt, sondern entlang von Fragen, die sich durch die Ausstellung ziehen, allen voran: Wie verändert sich Bedeutung, wenn sie über Distanz weitergetragen wird? Mit rund 40 Künstlerinnen aus zeitgenössischer Kunst, performativen und kulinarischen Praktiken verstehen wir Soft Power als etwas, das sich nicht auf Staaten beschränkt, sondern ebenso von Individuen und Communities ausgeübt werden kann, über Grenzen hinweg. 
Die Ausstellung folgt einer kuratorischen Choreografie in neun Kapiteln, Ankommen → Zuhören→ Erinnern → Imaginieren → Zusammenkommen → Gastgeben → Ritualisieren → Resonieren → Feiern → Werden, in denen Künstlerinnen jeweils um eine gemeinsame Frage gruppiert sind, nicht um eine gemeinsame Form. Der Raum folgt derselben Logik: Die Werke stehen nicht nebeneinander, um ein Thema zu illustrieren, sondern bilden einen Faden, dem man als BesucherIn folgt.

F: Auf den ersten Blick wirken die Künstlerinnen und Künstler sehr verschieden. Was macht sie einzigartig und wo siehst du trotzdem Gemeinsamkeiten in ihren Arbeiten?
AS: Auf den ersten Blick sehr verschieden, ja. Aber genau das macht die Ausstellung interessant: Die Gemeinsamkeit liegt nicht im Material oder in der Herkunft, sondern in der Methode, wie wir sie zueinander in Beziehung gesetzt haben, jedes der neun Kapitel gruppiert Künstler*innen um eine gemeinsame Frage. Nehmen wir das erste Kapitel, „Arriving”: Der Simurgh, ein mythischer Vogel aus der persischen Dichtung, dessen Geschichte eine riesige kulturelle Geografie durchquert, wird bei Slavs & Tatars zur Figur für Regionalismus durch Verbindung statt Uniformität. Havîn Al-Sîndys Tonorgane in „Meine Nieren” atmen über einen Motor und verbinden den Körper mit Migrations- und Organhandelsrouten. Der Körper wird zum Archiv, durch das Medizin, Grenzen, Märkte und Vertreibung hindurchgehen. Hamid S. Neiriz trägt in Ausgrabungen Farbschichten ab, um freizulegen, was sich darunter angesammelt hat, archäologische und psychische Ausgrabung verschränken sich. Diane Severin Nguyens Spring Snow beschwört Hanoi Hannah herauf, deren Radiosendungen während des Vietnamkriegs amerikanische Soldaten mit Sprache, Mitgefühl und Heimweh als Instrumente psychologischer Kriegsführung erreichten. Vier Praktiken, vier Materialien kultureller Macht. Jede trägt etwas über eine Distanz hinweg.Jede bewahrt eine Spur eines anderen Ortes oder einer anderen Zeit. Jede fragt, was mit Bedeutung passiert, wenn sie wandert. In den anderen acht Kapiteln wiederholt sich dieses Prinzip, mit jeweils eigenen KünstlerInnen und einer eigenen Frage, die sie zusammenhält.

F: Es kostet bestimmt Überwindung, die eigenen Werke in fremde Hände zu geben. Wie baust du das Vertrauen zu den KünstlerInnen auf, damit sie dir bei der Gestaltung voll vertrauen?
AS. Vertrauen entsteht über Jahre, nicht über eine einzelne Ausstellung, das gilt für die KünstlerInnen, mit denen ich schon lange arbeite. Viele von ihnen kenne ich aus ganz unterschiedlichen Kontexten, über Ausstellungen, über Musik, über persönliche Begegnungen, und konnte einige dieser langjährigen Beziehungen in dieses neue, experimentelle Format einbringen. Gleichzeitig war mir wichtig, bei einem Projekt dieser Größe auch neue Positionen einzuladen, KünstlerInnen, die ich über María Inés oder erst im Zuge der Recherche für Soft Power kennengelernt habe. Ich glaube, genau das hat viele offen für die Teilnahme gemacht: Soft Power ist kein klassisches Ausstellungsformat, sondern etwas, das gemeinsam entsteht.

F: Mit welchem Gefühl sollen BesucherInnen nach dem Event nach Hause gehen und welche Gedanken vor dem Einschlafen nachhallen?
AS: Vielleicht der Verdacht, dass die leisesten Kräfte manchmal die wirksamsten sind. Das ist für mich die eigentliche Aufgabe von Kuratieren: nicht Zustimmung zu erzeugen, sondern eine Frage zu hinterlassen, die weiterarbeitet, lange nachdem man den Raum verlassen hat. Wir leben in einer Zeit, die von Angst, Fragmentierung und Erschöpfung geprägt ist. Ich sehe darin auch eine Folge globaler Machtverschiebungen: Politische, wirtschaftliche und mediale Kräfte wirken heute oft subtiler, aber nicht weniger stark als offene Formen der Gewalt oder Kontrolle. Umso wichtiger ist es, diesen Dynamiken etwas entgegenzusetzen: Dialog, Bildung, Mitgefühl. Soft Power ist in diesem Sinne ein Plädoyer für Verbindung statt Spaltung, für Zuhören statt Lautstärke, für Transformation statt Stillstand, eine Einladung, die leisen Kräfte der Kultur neu zu denken.

Tickets und mehr Informationen sind hier auffindbar.

Ein ausführlicheres Interview mit Anahita Sadighi findest du hier.

Fotos: © Soft Power Festival

Tags: Anahita SadighiBerlinBerlin Art WeekSoft Power Festival
Alicia Buchs

Alicia Buchs

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