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Pausado Palacio: Das Grand Hotel Son Net auf Mallorca

by Michael Rechsteiner
03.09.2026
in TRAVEL
Pausado Palacio: Das Grand Hotel Son Net auf Mallorca

Für einmal zog ein Habsburger nicht aus, um für einen Klecks europäischer Ländereien die eigene Cousine zu heiraten. An Mallorcas Nordwestküste erfand Erzherzog Ludwig Salvator 150 Jahre vor dem ersten Instagram-Hashtag den Slow Tourismus und pflanzte damit eine Saat, die heute prächtige Blüten wie das Grand Hotel Son Net entfaltet. Und auch wenn Eure Hoheit zeitlebens auf Pomp verzichtete: Hier würde auch der habsburgische Lebemann und Naturforscher mit glücklichem Seufzer seine Liege noch ein Stück näher an den Pool rücken. 

Spitzbögen haben in Mallorcas Architektur Tradition: Grand Suite Jamie I

Vielleicht kam es den BewohnerInnen von Mallorca so vor, als hätte soeben der Zirkus am Hafen angelegt. Der Dampfyacht namens Nixe I entstieg eine eklektische Gesellschaft aus verrußten Matrosen und europäischen Adligen. Ihnen folgten Hunde, Katzen, exotische Vögel und ein Schimpanse namens Gorilla. Sie alle gehörten zur Entourage eines schillernden Mannes, der den Müßiggang an Europas höchsten Adelshäusern ausschlug und stattdessen in Lumpen gekleidet und von Liebhaberinnen umgeben im Mittelmeer nach Abenteuern jagte. 20-jährig verließ Ludwig Salvator, Erzherzog von Österreich und Prinz von Toskana, den Hof von Habsburg-Lothringen. Fortan führte er ein Leben zwischen Wellen und Inseln, sammelte faszinierende WegbegleiterInnen wie Schmetterlinge im Netz. „Luigi» erforschte die unberührte Natur und tauchte ein in die Gesellschaften von Ustica, Paxos oder Vulcano – Orte, die damals den Menschen auf dem europäischen Kontinent so fremd und entfernt schienen wie die Rückseite des Mondes. Minutiös hielt der Erzherzog seine Eindrücke schriftlich und in Bildern fest, seine Monografien wurden schon bald mit großem Interesse gelesen. Doch wie so viele Libertine vor und nach ihm verlor auch Ludwig Salvator nach unzähligen Affären sein Herz schlussendlich an die eine, die einzige: Im Mai 1873 spülte es den Bohemien zum ersten Mal an die Küste Mallorcas.

Die größte der balearischen Schwestern bezirzte den Habsburger mit ihrem wilden und doch freundlichen Wesen. Die Einheimischen schlossen den großzügigen Exzentriker schnell in ihr Herz, oft wurde er wegen seiner kargen Garderobe mit einem Bauern verwechselt. Doch Ludwig Salvator war nicht gekommen, um die Äcker zu pflügen. Nach und nach kaufte er an der Nordwestküste Mallorcas Ländereien. Schon bald überblickte der Neuankömmling ein fiktives Erzherzogtum namens Miramar, das sich von Valldemossa bis Deià erstreckte. Dessen Landschaft erklärte er für unantastbar. Tiere und Pflanzen stellte er unter Schutz. Stattdessen lud Ludwig Salvator die Menschen dazu ein, so wie er über die Wälder und Wasser, Bergspitzen und Sandkörner zu staunen. Er legte Wanderwege und Aussichtsplattformen an, einige davon sind bis heute erhalten. Im Gasthaus Hospedería de Miramar konnten Gäste mehrere Tage unentgeltlich übernachten, womit Ludwig Salvator einen der Grundsteine für Mallorcas Tourismus legte. Stolz führte er Kaiserin Sisi bei ihren zwei Besuchen auf der Insel durch sein kleines Paradies und ließ für seine Geliebte Catalina Homar das Weingut S’Estaca bauen, heute im Besitz von Schauspieler Michael Douglas. Im Juli 1913 bestieg Ludwig Salvator wie so oft in seinem Leben ein Schiff am Hafen. Gesundheitlich stark angeschlagen, plante der 66-Jährige einen Kuraufenthalt im österreichischen Bad Gastein. Er wusste nicht, dass er die Liebe seines Lebens nicht wiedersehen würde.

 Stoff aus Träumen: Die Galilea Junior Suite

VON HISTORIE ZU HOTEL
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhinderte eine Rückkehr des Erzherzogs nach Mallorca. 1915 starb er an einer Blutvergiftung in Prag. Sein kleines, meeresumspültes Reich zerfiel in diverse Erbschaften. Doch die von Ludwig Salvator geliebten und geschützten Landschaften der Serra de Tramuntana sind im vergangenen Jahrhundert sogar noch üppiger geworden. Während an anderen Ecken der Insel selbsterklärte Könige von Mallorca das Schlagermikrofon wie ein Zepter schwingen und Ballermänner in der Sonne backen wie eine schnapsgetränkte Teigtasche, agierte im Nordwesten vorwiegend die Natur als Baumeisterin. Und weil diese mit sanfter Hand statt Presslufthammer agiert, würde der einstige Erzherzog seinen Ort der Glückseligkeit auch nach all der vergangenen Zeit gewiss auf den ersten Blick wiedererkennen. Um 1880 skizzierte der Österreicher für sein Monumentalwerk „Die Balearen in Wort und Bild geschildert“ ein kleines Dorf im Schatten eines großen Bergs: Puigpunyent und der Puig de Galatzó. Genau dort öffnen sich jetzt für uns die Tore des Grand Hotel Son Net.

Das prächtige Landhaus, in dieser Gegend possessió genannt, ragte bei Ludwig Salvators erster Ankunft bereits seit über 200 Jahren in den mallorquinischen Himmel. Im Besitz der Familie Nét hatte sich das Anwesen für die kommenden Generationen zur Herzkammer entwickelt, aus der all das gesellschaftliche Leben in der Region strömte. Sein Wassernetz versorgte Getreide- und Papiermühlen. Als Versammlungsplatz diente der Schatten des gewaltigen Zürgelbaumes. Man sagt, dass die Früchte seiner Art so süß und berauschend sind, dass die Gefährten von Odysseus während ihrer Irrfahrt davon aßen und daraufhin nicht mehr heimkehren wollten. Und auch wenn er nicht von den Zweigen naschte, erging es David Stein ähnlich, als er in den 1990er Jahren durch die historischen Gärten der Son Net Residenz schritt. Der Geschäftsmann suchte auf Mallorca nach einem neuen Zuhause fernab von seiner Heimat San Diego. Das Hauptgebäude war inzwischen vom Zahn der Zeit angeknabbert worden. Doch wie einst den Erzherzog verführte der Landstrich auch den Amerikaner und ließ ihn nicht mehr gehen: Stein kaufte das Anwesen, ließ die Gebäude renovieren und lebte einige Jahre lang mit seiner Familie im neu erstrahlten Gutshof. 1998 entschied er sich, seine Domäne ins Grand Hotel Son Net umzuwandeln. 25 Jahre später wurde das Domizil erneut aufgefrischt, diesmal unter anderem von Interior-Designer Lorenzo Castillo. Der Spanier ist darauf spezialisiert, vergangene Epochen durch Stoff und Stuhl wiederaufleben zu lassen. Castillo verlieh jeder der 31 Suiten und Cottages vom Grand Hotel Son Net ein individuelles Konzept. Dabei berief sich der Raumgestalter auf historische Dokumente. Dort beschriebene Muster und Beschaffenheit der Textilien wurden frisch gewoben. Möbelstücke aus dem 17. bis 19. Jahrhundert vollenden den Glanz und die Gemütlichkeit auch in jener Unterkunft, die einem alten Bekannten gewidmet ist.

Großmütterliches Lounge-Feeling

DER BERG RUFT, DAS TAL FLÜSTERT
Die Grand Suite Luis Salvador setzt dem Reise- und Naturschutzpionier ein Denkmal in dessen geliebter Serra de Tramuntana. Seinen Hausschimpansen dürfte Ludwig Salvator hier zwar kaum einchecken. Entschädigt würde er mit einer 45 Quadratmeter großen Privatterrasse. Von hier hat er einen direkten Blick auf den Berg Galatzó. Diesen zeichnete der Erzherzog einst für seine Studien ab. Auch wusste er, dass von diesem Gipfel bereits im 16. Jahrhundert Schnee abgebaut und anschließend in sogenannten cases de neu (Schneehäusern) zu Eis gepresst wurde. Bis nach Palma wurde dieses geliefert und kühlte dort Lebensmittel oder wurde für medizinische Zwecke genutzt. Noch heute lässt sich die Ruine einer solchen Eiswerkstatt in der Region besichtigen.

In der Green Bar des Grand Hotels wartet heute niemand mehr darauf, dass ein unter Packsätteln begrabenes Maultier die Eiswürfel für den Whisky Sour anschleppt. Das terrakottafarbene Kreuzgratgewölbe verströmt mediterrane Wärme, als wäre es ein reifer Olivenhain. Hier würde der Erzherzog gewiss ein Glas vom Malvasierwein genießen, dessen fruchtigem und süßem Aroma er in seinen Büchern immer wieder Liebesbriefe schrieb. Erzählungen besagen, dass der Erzherzog in jüngeren Jahren bei Gelegenheit auch mal einem Farmer half, dessen Karren aus dem Dreck zu stoßen. Trotzdem können wir uns Seiner Durchlaucht nur schwer auf einer Hantelbank im Hotel Gym vorstellen. Ein Türkisches Bad und ein Japanischer Pool dürften da schon eher dem Geschmack des Weltenbummlers entsprechen. Das mit Salzwasser angereicherte Indoor-Schwimmbecken könnte den Habsburger glauben lassen, er stünde noch einmal auf Deck seiner Dampfyacht. Doch früher oder später könnten die schweren Holztore des Grand Hotels ihren schillernden Gast nicht länger aufhalten. Zu groß wäre die Sehnsucht nach jenem Terrain, dem er einst sein Leben gewidmet hat. Wahrscheinlich würde Ludwig Salvator wie früher einem Einheimischen eine Münze aus seiner Tasche zuschnippen und sich von ihm neue verworrene Wege in die Berge und Täler zeigen lassen. Hinab zum Platja de Sa Calobra, dessen abgelegene Idylle man sich erst verdienen muss. Oder hinauf ins Gebirge, dessen Kulturlandschaften ebenso ein Geschichtsbuch über die innovative Ingenieurskunst der islamischen und christlichen Vorfahren sind. Seit 2011 gehört die Region deshalb zum Weltkulturerbe der Unesco. „Ich habe nie begreifen können, wie sich ein Mensch langweilen kann mitten in Gottes freier Natur; im kontemplativen Nichtsthun liegt doch ein Meer von Poesie», schrieb einst Ludwig Salvator. Im Grand Hotel Son Net, wo der Wind die jahrhundertealten Bäume flüstern lässt und jeder Weg in ein weiteres grünes Wunder führt, fällt das Eintauchen leicht.

Into the Mystic: Spa-Bereich des Grand Hotels Son Net

GRAND HOTEL SON NET
Die Anreise ist eine Berg-und-Tal-Fahrt. Doch erst einmal angekommen, wird der Aufenthalt im Grand Hotel Son Net zu einem Höhenflug für sämtliche Sinne. Das historische Landgut wurde 1998 in ein Luxushotel verwandelt und trägt seit einer umfassenden Renovierung vor drei Jahren seiner glanzvollen Geschichte auch optisch Rechnung. Fühlt man sich im Salon noch wie ein Herzog nach dem Jagdausflug, reicht der Weg in den Spa- und Wellnessbereich, um in der Moderne und ihrem entspannenden Komfort anzukommen. sonnet.es

 Cocktails in allen Farben serviert die Green Bar
 Mallorcas wilde Seite ist auch ihre schönste

Zimmer buchen und ab geht’s auf die Insel

Fotos: © Grand Hotel Son Net

Wenns nicht das Grand Hotel Son Net wird, dann findest du hier deine nächste Feriendestination.

Tags: Grand Hotel Son NetMallorcaPausado Palacio
Michael Rechsteiner

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