Was passiert, wenn ein Lederwarenhaus seine Designsprache in Architektur übersetzt? Am Michaelerplatz in Wien liefert Polène eine Antwort: Zwischen Cortenstahl, Wiener Geflecht und skulpturalen Lederoberflächen entsteht ein Store, der Handwerk nicht nur auf ein Podest stellt, sondern räumlich erfahrbar macht.
Manche Orte haben ihren ganz eigenen Takt. Der Michaelerplatz in Wien, zwischen Hofburg und Kohlmarkt, ist einer davon. Hier, im historischen Zentrum der österreichischen Hauptstadt, hat Polène einen neuen Standort bezogen, der weit über die Präsentation von Taschen hinausgeht. Auf 364 Quadratmetern entsteht eine Begegnung zwischen französischer Lederkunst, Wiener Gestaltungstradition und zeitgenössischer Architektur. Die Musik dient dabei als konzeptioneller Ausgangspunkt – nicht als dekoratives Zitat, sondern als roter Faden, der sich durch die Räume zieht.


Im Rhythmus der Stadt
Hinter der historischen Fassade prägen geschwungene Bögen aus Cortenstahl das Interior-Konzept. Ihre Linienführung erinnert an die geometrischen und organischen Formen des Wiener Jugendstils, insbesondere an Otto Wagners und Joseph Maria Olbrichs Gestaltung des Karlsplatzes. Die charakteristischen Elemente strukturieren den Raum und schaffen unterschiedliche Perspektiven auf die ausgestellten Kollektionen.


Auch bei der Materialwahl treffen unterschiedliche Handschriften aufeinander. Lederpaneele an der Decke, gefertigt in den spanischen Werkstätten von Polène in Ubrique, zitieren die akustische Gestaltung klassischer Konzertsäle. Dunkles Holz und ein radial gemusterter Ziegelboden setzen dazu einen warmen Kontrast. An den Fenstern sorgt Wiener Geflecht für gefiltertes Tageslicht. Die massgefertigten Elemente stammen aus einem Wiener Atelier und bringen lokales Kunsthandwerk unmittelbar in die Gestaltung ein.
Eine Frage der Wahrnehmung
Eine grosszügige Treppe führt ins Obergeschoss. Feine Lederkordeln entlang des Aufgangs erinnern an die Linien eines Notenblatts und setzen das musikalische Motiv fort. Im angrenzenden privaten Salon nehmen reliefierte Lederoberflächen Bezug auf die schallgedämpften Wände professioneller Tonstudios.
Besonders unmittelbar wird die Idee in einer eigens entwickelten Installation erfahrbar: Eine Spieluhr aus Leder und Nussbaumholz lässt sich über eine Kurbel aktivieren. Dabei setzt sich ein perforiertes Lederband in Bewegung und bringt eine Melodie zum Klingen. Das Material wird hier nicht nur als Oberfläche oder Form verstanden, sondern als Teil eines interaktiven Erlebnisses. Unter dem Titel „Craft at Work“ rückt Polène damit die handwerklichen Prozesse hinter seinen Kreationen ins Zentrum.


Einen weiteren künstlerischen Akzent setzt Robert Comploj: Der Wiener Glaskünstler hat für den Standort eine eigens angefertigte Arbeit geschaffen, die mit den Grenzen des Materials spielt. Seine skulpturalen Glasformen wirken beinahe textil: Falten und Wellen verleihen dem eigentlich starren Werkstoff eine überraschende Beweglichkeit und stellen damit eine spannende Parallele zur Formensprache der Polène-Kollektion dar.


Handwerk als Haltung
Gegründet 2016, verbindet Polène ein Kreativstudio in Paris mit spezialisierten Produktionsateliers im spanischen Ubrique. Mehr als 2’200 Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker sind dort an der Fertigung der Lederwaren beteiligt. Neben den Taschen umfasst das Portfolio inzwischen auch Schmuck aus 24-karätigem Gold. Mit der Wiener Adresse erweitert das Label sein internationales Boutique-Netzwerk um einen Standort, der die eigene Designsprache konsequent mit seinem kulturellen Umfeld verbindet – und Tradition als Ausgangspunkt versteht, nicht als Grenze.


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Fotos: © Polène




