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H&M x wardrobe.nyc: Christine Centenera, Josh Goot und Ann-Sofie Johansson im Interview

by Josefine Zürcher
27.07.2026
in FASHION
H&M x wardrobe.nyc: Christine Centenera, Josh Goot und Ann-Sofie Johansson im Interview

Mitten im Dickickt von rasant wechselnden Mikrotrends setzt H&M mit seiner aktuellen Designer-Kollaboration auf Zeitlosigkeit und Statement-Pieces, die niemand nach einer Saison wieder aus dem Kleiderschrank kickt. Für die ab jetzt erhältliche Kollaboration hat H&M das in New York ansässige Luxus-Basics-Label wardrobe.nyc an Bord geholt. Wir haben mit dem Duo – Editor und Stylistin Christine Centenera und Designer Josh Goot – sowie mit Ann-Sofie Johansson, Creative Advisor und Head of Design Womenswear bei H&M, über ihre Lieblingspieces der Kollektion geplaudert. Und dabei den ein oder anderen Tipp erfahren, wie man nicht in die Trendfalle gerät, sondern über die Jahre seinen ganz eigenen Stil findet. 


FACES: Ihr habt bereits vor dem Release dieser Kollektion euer Ziel angekündigt: Jedes der Pieces soll zu einem Klassiker werden können. Welche Eigenschaften muss ein Kleidungsstück haben, um zu einem sogenannten Staple-Piece zu werden, das man nicht nach weniger als einer Saison bereits wieder aussortiert?
Christine Centenera: Es muss zeitlos sein. Dazu gehört auch, dass die Verarbeitung hochwertig ist und die Ästhetik eher klassisch. Genau das haben wir mit dieser Kollektion angestrebt, und ich finde, es ist uns ganz gut gelungen!

F: Welches ist dein Lieblingsstück aus der Kollektion?
CC: Definitiv der Mantel. Er ist inspiriert vom ersten Mantel, den wir 2017 für wardrobe.nyc entworfen haben. Wir haben einfach ein paar kleine Änderungen daran vorgenommen. Für mich ist er ein echtes Highlight. Man kann ihn über fast alle Teile der Kollektion tragen. Er ist – um das Wort noch einmal zu verwenden – ein zeitloses, klassisches Teil, das man sehr lange in seinem Kleiderschrank haben sollte.

F: Nicht allen von uns gelingt es, eine zeitlose Garderobe aufzubauen. Hast du Tipps für Menschen, die zwar viel Kleidung besitzen, jedoch immer wieder daran scheitern, die Teile untereinander richtig zu stylen?
CC: Das ist eigentlich einer der Hauptgründe, warum Josh und ich wardrobe.nyc gegründet haben – und H&M teilt dieselbe Vision: Menschen dabei zu helfen, Outfits zu kreieren, die sich unabhängig von allem in unzähligen Variationen kombinieren lassen. Mein Rat: Bleibt euch selbst treu und findet heraus, was zu euch passt – lasst euch nicht zu sehr von Trends mitreißen. Findet heraus, welche Schnitte euch stehen und welche Stoffe sich am Körper gut anfühlen. Und, ganz wichtig: Wählt Kleidungsstücke, die euch Selbstvertrauen geben. 

„Mein Rat: Bleibt euch selbst treu und findet heraus, was zu euch passt – lasst euch nicht zu sehr von Trends mitreißen.“


F: Wie habt ihr euren eigenen Style gefunden? Gab’s Momente der Erleuchtung, in denen ihr gemerkt habt, was euch wirklich steht und wie ihr euch anziehen wollt?
Ann-Sofie Johansson: Für mich gab es nicht das eine Aha-Erlebnis. Vielmehr hat sich mein Stil im Laufe der Jahre verfeinert. Es fängt damit an, sich selbst zu kennen – wer du bist und was für ein Leben du führst. Und vieles muss man auch einfach ausprobieren. Verschiedene Outfits, Silhouetten – schau, womit du dich wohlfühlst und stark fühlst. Und baue darauf auf. Die Basis des eigenen Stils muss auch gar unbedingt schlicht sein. Jemand mag vielleicht Spitze so sehr, dass sie den Grundstein der Garderobe bildet. 

F: Inwiefern denkst du, dass die Kollektion mit wardrobe.nyc Menschen helfen wird, die ihren Stil noch nicht gefunden haben?
AJ: Wir haben hier eine tolle Kollektion, die für viele der Ausgangspunkt sein könnte, um ihren eigenen Look zu entwickeln. Wer noch etwas Extrahilfe braucht: Die Kampagnenbilder zeigen übrigens bereits tolle Stylings. Man kriegt dort bereits reichlich Inspiration, wie man die Teile tragen und kombinieren kann.

F: Wir sprechen viel über Zeitlosigkeit, was auch mit Nachhaltigkeit einhergeht. Trotzdem ist die Mode nach wie vor stark von Trends geprägt. Wie beobachtet ihr Trends und wie lässt ihr diese eventuell doch in euren Designprozess einfließen?
Josh Goot: In den letzten Jahren haben wir in einer Art „Mikrotrend-Klima“ gelebt. Es gab keinen übergreifenden Trend, so wie wir ihn vielleicht vor einem Jahrzehnt mit dem Comeback der Streetwear erlebt haben – mit Demna, Vetements und so weiter. Das war so ein spürbarer Moment, der die ganze Branche beeinflusst hat. So etwas gab es in letzter Zeit nicht wirklich, es war eher auf Mikroebene.
AJ: Und stark von den sozialen Medien gesteuert. 
JG: Genau. Die ganze Branche versucht momentan noch, sich selbst wieder zu finden. Wir leben auch in einer ziemlich turbulenten Zeit. Das ist zumindest meine Beobachtung. Wie interpretieren wir nun Trends und integrieren sie in unser Garderobenkonzept? Wir leben einfach unser Leben. Es ist eher ein Bauchgefühl als irgendetwas – wir gehen einfach unseren eigenen Weg, machen Kleidung, die sich für uns richtig anfühlt, die echt und praktisch ist und einen Zweck erfüllt. Das machen wir lieber, anstatt Trends zu analysieren und zu interpretieren.


„Wir gehen einfach unseren eigenen Weg, machen Kleidung, die sich für uns richtig anfühlt, die echt und praktisch ist und einen Zweck erfüllt.“

F: Ann-Sofie, du hast schon einige Designer-Kollaborationen begleitet. Wie unterscheidet sich die Zusammenarbeit mit wardrobe.nyc von bisherigen?
AJ: Es unterscheidet sich dadurch, dass diese Kollektion eine ganz andere Ästhetik hat als die bisherigen. Sie ist so sorgfältig kuratiert, zeitlos und langlebig. Für mich ist das wirklich etwas Besonderes. Es fühlt sich gerade jetzt sehr notwendig an. Hier kann man meiner Meinung nach wirklich alle Teile tragen. Man kann sie abwechselnd tragen.Und auch die Zusammenarbeit mit zwei Kreativen macht es zu etwas Besonderem. Normalerweise arbeiten wir nur mit einem Designer zusammen. Das ist sehr inspirierend.

F: Und wie seid ihr als Designduo an den Prozess herangegangen, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass diese Kollektion bei H&M erhältlich sein wird? 
CC: Wir haben es als eine Art „Best of“ angegangen und wählten unsere Stücke, die uns am meisten angesprochen haben und von denen wir dachten, dass sie auch ein größeres Publikum ansprechen würden. Wir haben es also als größeres Projekt betrachtet. Es war ganz anders als das, was wir normalerweise für uns selbst machen. Wir haben zunächst breit angelegt entworfen und uns dann auf die stärksten Stücke eingegrenzt.
JG: Wir wollten, dass jedes Teil für sich allein stehen kann, aber gleichzeitig auch Teil einer größeren Garderobe ist. Jedes Stück erfüllt also einen Zweck innerhalb der gesamten Kollektion. Die meisten dieser Schnitte stammen von unseren Lieblingsstücken aus unserem Archiv. Oder zumindest haben sie dort ihren Ursprung. Dann haben wir gemeinsam mit H&M daran gearbeitet, sie weiterzuentwickeln.

F: Gab es Stücke, die sich im Laufe dieses Prozesses extrem stark gewandelt haben?
JG: Ich würde nicht sagen, dass sich irgendetwas komplett geändert hat, aber alles musste irgendwie angepasst werden. Wir mussten auf andere Stoffe, andere Farben und andere Innenkonstruktionen umsteigen, vor allem bei der Schneiderei. Bei der Beschaffung mussten wir eng mit H&M zusammenarbeiten. Und dann folgte ein Anprobenprozess, bei dem wir die Schnittmuster überarbeitet und alles neu gestaltet haben. Es hat zwar Zeit gekostet, aber es war eine Freude, mit solchen Profis zusammenzuarbeiten.

F: Hättet ihr Lust auf weitere Kollaborationen?
JG: Wir würden es sofort wieder machen, aber ich weiß nicht, ob das bei H&M so läuft. (lacht)
AJ: Man weiß ja nie! Wir bleiben auf jeden Fall Freunde, das ist bei unseren Kooperationspartnern ja meistens so.

F: Zum Schluss: Gibt es einzelne Pieces, die ihr unbedingt hervorheben möchtet?
CC: Ich muss hier wieder den Mantel nennen.
JG: Der Mantel ist auch mein Favorit. Aber um mal eine andere Antwort zu geben: Mir gefallen die transparenten Lagenlook-Teile. Da gibt’s zum Beispiel einen Racerback-Body, einen Langarm-Body, einen Rock, eine Leggings aus Stretch-Viskose. Die lassen sich einzeln tragen oder zusammen kombinieren.
AJ: Also mir gefallen wirklich alle! Ich würde jedes der Pieces tragen. 

Du weißt, wie es läuft bei den Designerkollektionen von H&M: Sie sind oft schneller weg, als du dein Portemonnaie zücken kannst. Also nichts wie los!

Fotos: © H&M x wardrobe.nyc


Dir kommts vor, als wäre die letzte H&M Collab erst gestern gewesen? Ist auch tatsächlich noch nicht lange her. Lies hier unser Interview mit Stella McCartney zu ihrer H&M-Kollektion.

Tags: Ann-Sofie JohanssonChristine CenteneraH&MJosh GootWardrobe.nyc
Josefine Zürcher

Josefine Zürcher

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