Emerald Fennells „Wuthering Heights“-Verfilmung mit Margot Robbie als Cathy und Jacob Elordi als Heathcliff sorgt für hitzige Diskussionen. Ein zentraler Kritikpunkt: die historische Korrektheit der Kostüme. Oder vielmehr: deren bewusste Abweichung vom Erwartbaren. Manche ZuschauerInnen fühlen sich modisch kaum ins späte 18. Jahrhundert zurückversetzt, in dem Emily Brontës einziger Roman spielt.
Die FACES-Redaktion hat zwölf weitere Historienfilme kuratiert, die nicht zuletzt wegen ihrer opulenten Garderobe für Gesprächsstoff sorgten.
Die Kostüme in Emerald Fennels („Promising Young Woman“, „Saltburn“) Adaption von „Wuthering Heights“ haben mit der Mode des späten 18. Jahrhunderts ungefähr soviel gemein wie die Geschichte des Films mit Emily Brontës gleichnamigem Roman – nämlich nur bedingt. Visuell sorgen sie aber oftmals für Spektakel auf der Leinwand. Genau wie die Garderoben der folgenden Kostümdramen.
„Amadeus“, Miloš Forman, 1984
Wie spätestens seit Falco alle wissen, war Wolfgang Amadeus Mozart ein Superstar, populär und so exaltiert, because er hatte Flair. Und damit kamen nicht alle klar: In diesem Filmdrama wird die Rivalität zwischen dem ikonischen Komponisten (Tom Hulce) und seinem Kontrahenten Antonio Salieri (F. Murray Abraham) behandelt. Theatralische Perücken, Brokatstoffe und die detailreiche Hofgarderobe prägen das Bild einer opulenten, musikalisch wie visuell überbordenden Epoche und versetzen uns so direkt ins Wien des 18. Jahrhunderts. Das visuelle Crescendo des tschechischen Kostümbildners Theodor Pištěk wurde mit dem Oscar für das beste Kostümdesign ausgezeichnet. Der Film selbst konnte ganze acht der begehrten goldenen Männlein abstauben.


„A Royal Affair“, Nikolaj Arcel, 2012
Im Dänemark des 18. Jahrhunderts verliebt sich Königin Caroline Mathilde (Alicia Vikander) in den von Mads Mikkelsen porträtierten Leibarzt Johann Friedrich Struensee – wer kanns ihr verübeln. Die detailverliebte Hofmode, entworfen von der dänischen Designerin Manon Rasmussen, spiegelt gesellschaftliche Hierarchien und politische Umbrüche wider, ohne ins Dekorative abzurutschen. Einige Kostüme wurden aus früheren Produktionen – etwa „Casanova“ mit Heath Ledger – adaptiert, fügen sich hier jedoch stimmig ins Gesamtbild ein.


„Barry Lyndon“, Stanley Kubrick, 1975
Stanley Kubricks visuelles Meisterwerk erzählt vom Aufstieg und Fall eines Glücksritters (Ryan O’Neal) im 18. Jahrhundert – zwischen dem Siebenjährigen Krieg und dem Beginn der Französischen Revolution. Die Kostümbildnerinnen Milena Canonero und Ulla-Britt Söderlund, denen wir die hyperpräzisen Rococo-Looks zu verdanken haben, gewannen 1976 zurecht den Oscar für das beste Kostümdesign. Inspirieren ließen die beiden sich von Gemälden der großen Maler William Hogarth und Thomas Gainsborough. Kubrick („Shining“, „Clockwork Orange“, „Full Metal Jacket“) verwendete Originalkostüme und ließ die zusätzliche Garderobe aus historischen Stoffen schneidern. Berühmt ist auch die technische Raffinesse: Nachtszenen entstanden mit speziell vom Technologieunternehmen Zeiss für die NASA entwickelten Objektiven – gedreht bei Kerzenlicht. Das Werk basiert auf dem 1844 veröffentlichten Roman „Die Memoiren des Junkers Barry Lyndon“ von William Makepeace Thackeray.


„Dangerous Liaisons“, Stephen Frears, 1988
Seide und Spitze als Waffe: Im Frankreich vor der Revolution manipulieren zwei Aristokraten ihr Umfeld aus Machtlust und Langeweile. Die üppige Rokoko-Garderobe unterstreicht das perfide Intrigenspiel, basierend auf dem gleichnamigen Briefroman von Choderlos de Laclos. Der Cast rund um Glenn Close, Michelle Pfeiffer, Keanu Reeves und Uma Thurman verleiht dem Kostümdrama zusätzliche Strahlkraft. Die kalkulierte Verführung hat bei uns prompt funktioniert – und bei den Oscars ebenso. Wer interessiert ist, aber mit Historienfilmen einfach nicht warm werden kann, dem sei „Cruel Intentions“ aus dem Jahr 1999 ans Herz gelegt. Eine lose, moderne Adaption desselben Dramas mit ebenfalls bekannten Gesichtern wie Sarah Michelle Gellar und Reese Witherspoon.


„Hedda“, Nia DaCosta, 2025
In dieser Neuverfilmung von Henrik Ibsens Stück „Hedda Gabler“ folgen wir der unglücklich verheirateten Titelfigur, gespielt von Tessa Thompson, während sich das gesellschaftliche Drama im Herrenhaus zuspitzt Ein extravagantes Melodram ist unausweichlich. Wir können nur sagen: Kein Wunder, dass die Kostümbildnerin Lindsay Pugh bei den Critics’ Choice Movie Awards 2026 in der Kategorie für die besten Kostüme nominiert wurde.


„Marie Antoinette“, Sofia Coppola, 2006
Pastellfarbene Couture im Rokoko-Setting, dazu ein Soundtrack aus den Nullerjahren, mit fabelhaften New-Wave-Needledrops von Bands wie The Cure und New Order: Dieser Film der erfolgreichen Regisseurin Sofia Coppola („The Virgin Suicides“, „Lost in Translation“) begleitet die junge österreichische Erzherzogin (Kirsten Dunst) von ihrer Ankunft in Versailles bis zur Französischen Revolution.
Die italienische Kostümbildnerin Milena Canonero orientierte sich am historischen Rokoko, setzte jedoch bewusst moderne Farbdramaturgie und popkulturelle Akzente ein – inklusive des ikonischen Converse-Moments. Ein Oscar für das beste Kostümdesign folgte prompt.


„Orlando“, Sally Potter, 1992
Nach Virginia Woolfs gleichnamigem Roman, der von ihrer Beziehung zur Schriftstellerin Vita Sackville-West inspiriert wurde, lebt Orlando (Tilda Swinton) über Jahrhunderte hinweg und wechselt dabei immer wieder Geschlecht sowie Identität. Kostümbildnerin Sandy Powell – die für dieses Werk zum ersten Mal für einen Oscar nominiert wurde – durchschreitet mit ihren Entwürfen mehrere Epochen vom elisabethanischen Hof bis ins 20. Jahrhundert und setzt die charakteristische Mode jedes Zeitalters verspielt um.


„Portrait of a Lady on Fire“, Céline Sciamma, 2019
Auf der Bretagne verliebt sich Malerin Marianne (Noémie Merlant) in ihr Modell Héloïse (Adèle Haenel). Zweitere soll jedoch gegen ihren Willen verheiratet werden. Während die beiden Protagonistinnen sich vergucken (wortwörtlich, denn heimliche Blicke spielen eine große Rolle), verlieren wir unsere Herzen an die romantischen Kostüme. Historisch im späten 18. Jahrhundert verortet, erinnern schwere Stoffe und Korsettstrukturen an die gesellschaftlichen Restriktionen der Zeit. Das ikonische smaragdgrüne Kleid wurde von der Regisseurin Céline Sciamma bewusst gewählt und fungiert in ihrem selbsternannten „Manifesto für den Female Gaze“ als Symbol für Leben und Erneuerung. Die französische Kostümdesignerin Dorothee Guiraud achtete bewusst darauf, dass die Kleider realistisch für das 18. Jahrhundert waren, aber verzichtete beim Entwurf auf zeittypische Details wie etwa Stickereien, um symbolische Klarheit zu schaffen.


„The Age of Innocence“, Martin Scorsese, 1993
New Yorker High Society im 19. Jahrhunderts: In diesem Drama, das auf Edith Whartons gleichnamigen Roman basiert, wird Kleidung in Form von Spitzenkrägen, Handschuhen und schweren Stoffen zum Sinnbild gesellschaftlicher Kontrolle. Verfolgt wird eine Dreiecksbeziehung zwischen den von Daniel Day-Lewis, Michelle Pfeiffer und Winona Ryder gespielten Hauptfiguren. Auch dieser Film des ansonsten für seine Gangsterfilme bekannten Starregisseurs Martin Scorsese („GoodFellas“, „Taxi Driver“), wurde kaum überraschend mit einem Oscar für das beste Kostümdesign ausgezeichnet. Zu danken ist dafür der italienische Kostümdesignerin Gabriella Pescucci.


„The Favourite“, Yorgos Lanthimos, 2018
Yorgos Lanthimos („Bugonia“, „The Lobster“) kennen und lieben wir für seine „Ästhetik des Unbehagens“, die auch in diesem Historienfilm gut durchkommt. Schauplatz ist der englische Königshof im frühen 18. Jahrhundert. Hier buhlen die Dienstmädchen Abigail (Emma Stone) und Sarah (Rachel Weisz) um das Herz von Queen Anne (Olivia Colman), wobei Intrigen, Neid und Verrat nicht fehlen dürfen. Kostümbildnerin Sandy Powell, die auf dieser Liste bereits vorkam, interpretierte das frühe 18. Jahrhundert bewusst reduziert und überwiegend in Schwarz-Weiß. Eine stilisierte, aber historisch fundierte Neuinterpretation höfischer Mode, die ihr mehrere Auszeichnungen einbrachte.


„The Handmaiden“, Park Chan-wook, 2016
Opulente Hanboks mit erotischem Twist: Im von Japan kolonialisierten Korea der 1930er-Jahre plant Betrügerin Sook-hee die reiche Erbin Hideko zu hintergehen. Kostüme werden im Thriller von Park Chan-wook („Oldboy“, „No Other Choice“) zum Spiegel kolonialer Machtstrukturen. Dabei setzt eine großartige Crossdressing-Szene am Ende des Films dem Ganzen die Krone auf. Die renommierte Kostümbildnerin Jo Sang-gyeong wurde für dieses Werk unter anderem mit dem Asian Film Award in der Kategorie für das beste Kostümdesign ausgezeichnet. Unser Tipp: Wer sich an den – ebenfalls buchungetreuen – fleischlichen Szenen in „Wuthering Heights“ erfreut, wird mit diesem Werk seinen Spass haben. Die Geschichte basiert auf dem Roman „Fingersmith“ von Sarah Waters.


„The Leopard“, Luchino Visconti, 1963
In der ikonischen Verfilmung des gleichnamigen Klassikers von Giuseppe Tomasi di Lampedusa ringt Siziliens Adel mit Garibaldis Einigungsbewegung. Die legendäre Ballszene in diesem Meisterwerk ist längst Modegeschichte. Mit Piero Tosis aufwendigen Kostümdesign trifft opernhafte Opulenz auf den melancholischen Abgesang einer Epoche.


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