Wir sind zwar keine medizinischen Fachkräfte, nehmen uns aber doch das Recht, allen mit ausufernder Screentime folgendes gegen ihre digitale Abhängigkeit zu verschreiben: Ein Besuch an der photo basel international art fair. Seit gut einer Dekade zeigt die Schweizer Messe für Kunstfotografie, wie viel kreatives Talent täglich auf den Auslöser drückt. Und um beim Medizinischen zu bleiben: Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass das Anschauen von Kunst einen positiven Einfluss auf Nervensystem und Gehirnaktivität hat. Das kann mit den nächsten Seiten, auf denen wir eine Vorschau auf die Ausstellung geben, gleich getestet werden. Und sollte das nicht genug stressreduzierend sein, dann ist ein Besuch in Basel zwischen dem 16. und 21. Juni ein Muss.
LOTTE EKKEL, NEWHOUSE GALLERY Die Niederländerin hat sich die Fotografie selbst beigebracht. Während andere komplizierte Lichtspielereien aufbauen, setzt sie voll und ganz auf natürliches Licht. Sie mag Zwischenräume, in denen die Zeit stillzustehen scheint und erschafft dann abstrakte Kompositionen, die an Gemälde erinnern.
CARLO MOLLINO, GALLERIA DAVIDE DI MAGGIO Carlo Mollino hat viele Leben gelebt: Er war Architekt, Designer und später auch Fotograf, der gerne mal erotische Polaroids aufnahm. Bis heute wirken seine Werke erstaunlich aktuell. Obwohl Mollino (1905 – 1973) bereits zu Lebzeiten sehr geschätzt wurde, erkannte man erst Jahre nach seinem Tod, mit was für einem Genie man es eigentlich zu tun hatte.
PHILIPP GIEGEL, GALERIE ESTHER WOERDEHOFF Tourismus kann auch ästhetisch inszeniert werden: Der Zürcher Fotograf Philipp Giegel hat während gut vier Jahrzehnten mit seinen Schwarzweiß-Fotografien das Bild der touristischen Schweiz im In- und Ausland geprägt. Für seine touristischen Plakate erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. An der photo basel werden signierte Handabzüge des Fotografen gezeigt.
CIRIL JAZBEC, GALERIJA FOTOGRAFIJA Als Dokumentarfotograf fängt Ciril Jazbec die Natur ein – und mit ihr die menschengemachten Veränderungen, die sie ertragen muss. Seit 2014 arbeitet er als freier Fotograf für das National Geographic Magazine. Sein einzigartiger Blick hat ihm schon einige Preise eingeheimst: Unter anderem den Leica Oskar Barnack Award und den Magnum 30 under 30.
STEFANIE SEUFERT, GALERIE SPRINGER BERLIN Für ihre fortlaufende Serie „Others“ bringt Stefanie Seufert ein portables Studio für kleine gefiederte Gäste in die Stadt, auf Großflächen, in die Nähe von Einkaufszentren und Kinos. Und dann tauchen sie auf, die hungrigen Kohl- und Blaumeisen, und posieren vor der versteckten Kamera.
BORIS GABERŠČIK, GALERIJA FOTOGRAFIJA Der Slowene braucht nicht viel, um Beeindruckendes zu kreieren: Einige Rollen Film für analoge Fotos und Objekte, die er zum schönen Stilleben anordnen kann. Dank Licht, Komposition und Auswahl an Gegenständen entstehen immer wieder neue Schichten und neue Bedeutungen.DOLORÈS MARAT, BUCHKUNST BERLIN Eine Frau verschmilzt langsam mit einem Krokodil – oder umgekehrt? Die Szenerie an sich ist schon surreal, doch die Fotografie von Dolorès Marat hilft dem ganzen noch nach. Mit verschwommenen Rändern, Körnigkeit und einer verträumten Weichheit.
JOSÉ CHAMBEL, PERVE GALERIA Er drückt sich in einer dokumentarischen Sprache aus: José Chambels Fotografien rücken das Kulturerbe von Portugal, São Tomé und Príncipe und Cape Verde in den Fokus. 2020 co-gründete er Manga-Manga, eine Organisation, die sich der Dokumentation, Erforschung und Förderung der Kultur von São Tomé und Príncipe widmet.
NERINA TOCI, GALLERIA DAVIDE DI MAGGIO Nerina Tocis Merkmal? Etwas via Fotografie in etwas anderes verwandeln. Mit ihren Bildern bringt sie Körper in natürliche Umgebungen und schafft so abstrakte Kompositionen. Ihr Blick ist alles andere als konventionell. So gerät ein Mensch mal eben zwischen einen Stuhl und wird zur Skulptur.
LISETTA CARMI, GALLERIA DAVIDE DI MAGGIO Fünfzig Jahre nach der Veröffentlichung von „I travestiti“ (Rom, Essedi, 1972) und nur wenige Monate nach dem Tod von Lisetta Carmi zeigt die photo basel eine Auswahl bisher unveröffentlichter Farbfotos aus einer der eindrucksvollsten und bedeutendsten Reportagen der Fotogeschichte, die 2017 in Carmis Archiv wiederentdeckt wurde.
TILYEN MUCIK, GALERIJA FOTOGRAFIJA 2022 hat die Slowenin ihren Master in Fotografie an der Academy of Visual Art and Design in Ljubljana abgeschlossen. Pflanzen sind bei ihr die Stars und Hauptakteure ihrer Werke. Tilyens Buch „Plant-Based“ war einer der Fotobuch-Gewinner am Belfast Photo Festival.
CORINA GERTZ, IRA STEHMANN FINE ART Mode und Fotografie sind seit jeher eng verwoben. So hat Corina Gertz Modedesign gelernt, ihren Fokus jedoch 2001 auf die Fotografie verschoben. Im Zentrum ihrer Arbeit steht Kleidung als Trägerin kultureller Identität und kollektiver Erinnerung. Gesichter und individuelle Körpermerkmale rücken in ihren Porträts in den Hintergrund.