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Home FASHION

DJ, Designer und Influencer Marcus Butler im Interview

by Josefine Zürcher
22.06.2026
in FASHION
DJ, Designer und Influencer Marcus Butler im Interview

Wenn früher Marcus Butler mit seinem fröhlichen „Hello!“ auf dem Youtube-Screen auftauchte, war gute Laune garantiert. Der Brite war einer der ersten, der sich durch die Videoplattform und Social Media eine großartige Karriere erschaffte. Mittlerweile hat er London gegen Berlin und die Videokamera gegen DJ-Pult und Designstudio getauscht. Mit zwei Freunden gründete er Ante – ein Fashionlabel für Menschen, die ebenso stil- wie sportbewusst sind. Wir haben mit Marcus über Nostalgie, Mode und das Leben in Berlin geplaudert. Und dabei unter anderem herausgefunden, über welche Modesünde er gerne lacht und wie es für Ante weitergeht.

FACES: Du hast in deiner Karriere schon vieles gemacht, unter anderem Youtube, Modeln, und Moderation. Wie möchtest du wahrgenommen werden und was sollte man unbedingt über dich wissen?
Marcus Butler: Man soll mich als jemanden sehen, der keine Angst hat, Neues auszuprobieren und sich weiterzuentwickeln. Viele kennen mich von einem spezifischen Abschnitt meines Lebens, aber ich habe es immer genossen, etwas aufzubauen, kreativ zu sein und meiner Neugier zu folgen, anstatt an einem Ort zu verharren.

F: Gab es einen bestimmten Moment, in dem dir klar wurde, dass du etwas Eigenes aufbauen und nicht mehr nur „Marcus von Youtube“ sein wolltest?
MB: Einen spezifischen Moment gab es nicht. Aber ich habe Youtube verlassen, weil ich das Gefühl hatte, dass meine Zeit und meine Freude an dem, was ich aus Spaß angefangen hatte, zu Ende waren. Ich wollte etwas aufbauen, das über das Gesicht einer Marke hinausgeht, hin zu etwas mit mehr Substanz. Bei Youtube bist du selbst immer auch die Marke. Das ist zwar cool, aber ich hatte das Gefühl, dass ich dieser Version von mir selbst online entwachsen war.

F: Seit ein paar Jahren lebst du in Berlin. Hat die Stadt deinen Stil und vielleicht sogar deine Persönlichkeit beeinflusst?
MB: In Berlin ist es einem egal, was andere denken, und dadurch wird man selbstbewusster. Für Leute, die mich kennen, würde ich nicht sagen, dass sich meine Persönlichkeit verändert hat, aber mein Englisch hat sich ein bisschen germanifiziert.

F: Was gefällt dir an Berlin am besten und was am wenigsten?
MB: Ich liebe die Menschen hier. Ich habe so viele unglaubliche Leute kennengelernt. Das liegt an der Offenheit der Gespräche – die Leute stellen sich nicht vor und fragen dann sofort: „Was machst du so?“ Das ermöglicht eine natürlichere Verbindung. Es gibt nicht viel, was ich an der Stadt nicht mag, aber wenn ich etwas nennen müsste, dann den grauen und langen Winter.

„In Berlin ist es einem egal, was andere denken.“

F: Magst du ein paar Berlin-Insidertipps mit uns teilen?
MB: Ein Spaziergang bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang über den Schwedter Steg, die Aussicht ist wirklich wunderschön. Für Drinks: Die Lamm Bar und die Victoria Bar. Bei Oggis gibt’s guten Kebab. Der Boros Bunker ist Galerie und Erlebnis zugleich. Und für Restaurants kann ich ITA und Caligari empfehlen.

F: Inwiefern hat die Gründung von Ante deinen eigenen Stil beeinflusst?
MB: Man fängt an, Kleidung zu entwerfen, die man sich selbst wünscht. Oder man lässt sich von etwas inspirieren, das man besitzt, das man aber noch abändern möchte. Wir Gründer – Julian, Chris und ich – können uns alle durch die Marke auf unsere eigene Art ausdrücken.

F: Wie würdest du deinen persönlichen Stil derzeit beschreiben und was bedeutet Mode für dich im Alltag?
MB: Mein Alltagsstil ist sehr schlicht. Ich arbeite jeden Tag im Studio, daher mache ich mir im Alltag selten Gedanken über mein Outfit.

F: Gibt es einen Mode-Fauxpas, auf den du gerne lachend zurückblickst?
MB: Da gibt es viele. Mein Archiv an peinlichen Momenten ist riesig. Zum Beispiel, als ich diese Spray-on Skinny-Jeans trug. Das war wirklich gar nichts für mich.

F: Welchen Modetrend liebst du gerade besonders?
MB: Ich bin hier vielleicht etwas voreingenommen, aber ich finde den Trend toll, dass Funktionskleidung immer mehr in stylische Looks integriert wird. So kann man Sport und Freizeit nahtloser miteinander verbinden als früher.

F: Welches Kleidungsstück in deinem Schrank verkörpert dich am besten?
MB: Ich klaue fast jeden Tag die Lederjacke meiner Freundin. Und wir haben ein Longsleeve im Used-Look aus Bambus, das super sitzt und dem Oberkörper eine schlanke Silhouette verleiht – das trage ich an den meisten Tagen.

F: Bei Ante konzentrierst du dich auf sportliche Kleidung. Würdest du eine Ausweitung auf Schmuck in Betracht ziehen, entweder mit Ante oder vielleicht mit einer neuen Marke?
MB: Wir haben uns an einem einzigartigen Schmuckstück versucht, das wir für den Berlin-Marathon angefertigt haben. Zusammen mit unserer Freundin Carolin Dieler hatten wir die Idee, eine Marathonmedaille in einen tragbaren Anhänger zu verwandeln – etwas, das LäuferInnen in ihrem Alltag bei sich tragen können, anstatt die Medaille zu Hause in eine Schublade zu legen. Ich könnte mir definitiv vorstellen, das in Zukunft weiterzuentwickeln.

F: Wen würdest du gerne in Ante gekleidet in der Stadt sehen?
MB: Ehrlich gesagt: jeden! Wenn ich jemanden in Ante sehe, habe ich das gleiche Gefühl, als würde ich jemanden treffen, der früher meine Videos geschaut hat. Ich gehe immer hin und sage „Hallo“. Es ist lustig, ich bin jetzt irgendwie selbst in der Rolle des Fans angelangt.

F: Wie geht es für Ante weiter? Gibt es aktuelle Projekte oder neue Richtungen, auf die du dich gerade besonders freust?
MB: Wir haben gerade unseren eigenen Laden im KaDeWe eröffnet – das war ein großer Moment für uns. Einen eigenen Raum in der Stadt in einem so legendären Kaufhaus zu haben, ist echt cool. Auch auf dem asiatischen Markt verzeichnen wir ein enormes Wachstum, besonders in Südkorea. Dort sind wir mittlerweile in sechs Geschäften vertreten.

„Schmuck war schon immer ein Teil meiner Identität.“

F: Für unseren Shoot haben wir dich mit tollen Stücken von Wempe geschmückt. Oft wird Schmuck als eher weibliches Accessoire angesehen. Warum sollten Männer mehr Schmuck tragen?
MB: Weil er einem Outfit immer das gewisse Etwas verleiht. Schmuck hat oft eine stärkere emotionale Bindung als Kleidung und ermöglicht es so, Details hinzuzufügen, die eine tiefere Bedeutung haben.

F: Bist du eher der Typ für Uhren, Ringe, Ketten oder Armbänder?
MB: Ich bin durch und durch ein Ketten- und Ring-Typ.

F: Hast du ein persönliches Schmuckstück, von dem du dich niemals trennen würdest?
MB: Ich besitze eine Uhr, die ich mir mit meinem ersten Gehaltsscheck von Youtube gekauft habe, als ich 19 war. Ich und Alfie Deyes, der damals der erste Youtuber war, mit dem ich mich angefreundet hatte, wurden beide für einen Moderationsauftrag gebucht und im Voraus bezahlt. Wir machten einen Ausflug nach London und kauften uns Uhren, die wir heute noch besitzen. Das ist ein ganz besonderes Stück für mich.

F: Gibt es ein Wempe-Stück aus unserem Shooting, das du dir gerne mit nach Hause genommen hättest?
MB: Alle Halsketten!

F: Hast du schon immer Schmuck getragen, oder ist das etwas, woran du dich erst mit der Zeit gewöhnt hast?
MB: Schon immer – angefangen bei der Haifischzahn-Halskette, um die ich meinen Vater während eines Club-Med-Urlaubs als Kind angefleht habe, bis heute. Schmuck war schon immer ein Teil meiner Identität.

F: Du bist auch als DJ unterwegs. Wie beeinflusst Musik deinen Umgang mit Mode und Kreativität? Siehst du Musik und Mode als getrennte Welten oder als Teil desselben kreativen Ausdrucks?
MB: Musik spielt in meinem Leben eine riesige Rolle. Sie verbindet sich nicht nur mit Mode, sondern mit allem im Leben. Musik verleiht allem eine emotionale Note. Egal, ob du auf einer Party bist, gerade eine Trennung durchmachst oder Inspiration suchst, um beim Training noch mehr zu geben. Als DJ kannst du diese Emotionen für den Moment vermitteln – zu sehen, wie die Leute auf die Songs reagieren, die du spielst, ist ein ganz besonderes Gefühl.

F: Viele Menschen erinnern sich an die goldenen Zeiten von Youtube, in denen du eine wichtige Rolle gespielt hast. Wie blickst du auf deine Zeit als Youtuber zurück? Wirst du manchmal nostalgisch?
MB: Ich liebe es, auf diese Zeit zurückzublicken. Sie ist voller schöner Erinnerungen und Erlebnisse, die ich nie vergessen werde. So konnte ich schon in jungen Jahren die Welt sehen und so viel über mich selbst lernen. Es war etwas ganz Besonderes, Teil einer Gruppe von Menschen zu sein, die all das gemeinsam gemacht haben. Es gab keine Regeln oder Erwartungen, weil wir die Ersten waren, die das erlebt haben. Das machte es manchmal auch zu einer Herausforderung, da es niemanden gab, der uns Ratschläge geben konnte, wenn wir sie brauchten.

F: Wenn du an diese Anfangszeit mit der britischen Youtube-Crew zurückdenkst, was ist deine schönste Erinnerung?
MB: Mit einer Gruppe von FreundInnen um die Welt zu reisen und Blödsinn zu machen. Nichts ist besser als das – es fühlte sich an wie in den Sommerferien in der Schule, als man jeden Tag mit seinen besten FreundInnen zusammen war.

„Fordere dich selbst heraus und zerbrich dir nicht den Kopf!“

F: Was hast du in diesen Jahren gelernt, was dir niemand und nichts anderes hätte beibringen können?
MB: Ich will jetzt wirklich nicht kitschig klingen, wenn ich das sage, aber wenn du wirklich an deine eigene Vision von dem glaubst, was du tust – vor allem, wenn andere das nicht tun – und du daran festhältst, wird etwas dabei herauskommen. Entweder klappt es und alle, die nicht an dich geglaubt haben, wollen plötzlich deine besten FreundInnen sein, oder du lernst dabei eine Menge über dich selbst.

F: Welchen Rat würdest du deinem jüngeren Ich geben, das gerade zum ersten Mal eine Kamera in die Hand genommen hat?
MB: Fordere dich selbst heraus und zerbrich dir nicht den Kopf!

F: Du warst einer der Ersten, den viele von uns online verfolgt haben. Fühlt es sich manchmal seltsam an, zu wissen, dass Menschen aus aller Welt quasi mit dir groß geworden sind?
MB: Früher schon, aber je älter ich werde, desto mehr sehe ich das als etwas Besonderes an. Menschen auf der ganzen Welt sind mit mir aufgewachsen, als wäre ich ein Teil ihrer Kindheit gewesen – was ziemlich verrückt ist, wenn ich darüber nachdenke. Wenn ich heute Leute treffe, die meine Videos gesehen haben, können wir uns wunderbar über diese Zeit unterhalten. Es fühlt sich eher so an, als würden zwei Menschen auf eine gemeinsame Zeit zurückblicken und erkennen, wie sehr wir beide gewachsen sind – und nicht wie ein Fan, der nur ein Foto will.

F: Du hast so viel von deinem Leben online geteilt. Was lässt man besser undokumentiert?
MB: Beziehungen und soziale Medien können zu einer Herausforderung werden, besonders wenn man so viel von seinem Leben teilt.

F: Als jemand, der schon seit über einem Jahrzehnt online ist: Wie stehst du derzeit zu den sozialen Medien? Hast du manchmal das Bedürfnis, offline zu gehen?
MB: Manchmal ist es etwas ganz Besonderes, dass es so viele verschiedene Nischen und ExpertInnen in diesen Nischen gibt, die Hilfe oder Einblicke in Dinge bieten können, die den Menschen früher nie so zugänglich waren. Manchmal mag ich die Atmosphäre nicht, die das Dasein als Influencer geschaffen hat. Das bringt manche Leute dazu, mit den falschen Absichten an die Sache heranzugehen.

ANTE

Früher strahlte Marcus Butler in die Kamera und unterhielt unzählige Menschen weltweit mit seinen Youtube-Videos. Heute findet man ihn vor allem in seinem Studio, wo er sich Neues für seine Kleidermarke Ante ausdenkt. Ante verbindet Sportkleidung mit lässigem Streetstyle und Berliner Coolness – und lässt sich somit den ganzen Tag, vom morgendlichen Workout bis zum abendlichen Barbesuch, tragen.
anteberlin.com

Schau mal bei Ante vorbei.

Wie sich Marcus als Model vor der Kamera macht, siehst du bei unserem Shoot mit Wempe.

Fotos: © Stephie Braun  

Tags: Alfie DeyesANTEANTE BERLINBerlinCarolin DielerMarcus ButlerStephie Braun
Josefine Zürcher

Josefine Zürcher

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