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Home FASHION

Als die Met Gala zur Mess Gala wurde

by Alicia Buchs
24.08.2026
in FASHION
Als die Met Gala zur Mess Gala wurde

Das Met-Gala-Motto für 2027„John Galliano: Horizons”, sorgt in einigen Ecken vom Internet für Empörung. Doch ein Blick zurück zeigt, dass es nicht das erste Mal ist, dass ein Thema für Chaos sorgt.

Das Motto der Met Gala 2027 steht fest:„John Galliano: Horizons“.

In den vergangenen Jahren sorgte John Galliano immer wieder für Aufsehen und Kontroversen. Seine Karriere gleicht einer Achterbahnfahrt voller dramatischer Höhen und Tiefen. Auf dem Zenit seines Schaffens als Chefdesigner von Dior erfand Galliano die Mode neu und sprengte bisherige Grenzen: Fashion wurde zum theatralischen Rock’n’Roll und veränderte die Laufsteg-Kultur nachhaltig. Im Jahr 2011 trennte sich das Modehaus vom Briten aufgrund mehrerer antisemitischer und rassistischer Äusserungen. Trotz dieser Kontroversen blieb er für andere Modehäuser attraktiv: Maison Margiela nutzte die Gelegenheit und ernannte Galliano zum Creative Director. Seit 2024 ist er selbstständig und arbeitet aktuell an einer Kollektion mit Zara.

Das Met-Mess-Diagramm

Nicht das erste Mal sorgt das Motto einer Met Gala für Diskussionen. In der Vergangenheit hagelte es öfters Kritik. Entweder aufgrund des Themas oder aber wie dieses von den Gästen interpretiert und umgesetzt wurde. Deshalb haben wir das Met-Mess-Diagramm ausgetüftelt und darauf die zehn kontroversesten Ausgaben platziert. 

Hier sind die zehn chaotischsten Met-Gala-Themen und ihre Umsetzung im Überblick:

1999: Rock Style

Die Met-Gala wollte den Einfluss von über 40 Rockstars seit den Fünfzigerjahren auf die Modewelt aufzeigen.  Wie die Mehrzahl der Gäste das Thema umsetzen? Gar nicht – die meisten Gäste erschienen in gewöhnlichen Abendkleidern. Naja, außer Liv Tyler und Stella McCartney. Sie kamen in DIY T-Shirts, die sie noch am Vorabend gebastelt hatten. 

2008: Superheroes: Fashion and Fantasy

Im Fokus stand der Einfluss von Superhelden, Comics und übernatürlichen Kräften auf die Mode. Erwartet wurden Capes, Rüstungen oder Masken. Doch… they gave us nothing. Da die Mottos der Met Gala mit jedem Jahr abstrakter wurden, konnten einige Gäste offenbar nicht mehr Schritt halten. Lieber gingen sie auf Nummer sicher und sahen chic aus, als perfekt „on theme”, dafür aber lächerlich zu wirken.

2009: Models as Muse: Embodying Fashion

Das Ziel war es darzustellen, wie Models die DesignerInnen und die Modewelt inspirierten. Die Gäste sollten Looks präsentieren, die von legendären Models getragen oder von großen Momenten in der Modegeschichte inspiriert wurden. Das Thema stand stark in der Kritik, weil es die Schattenseiten der Modebranche romantisierte. Einige Gäste hatten zudem wortwörtlich ein Model als Muse dabei. Das wirkte oft so, als hätte man statt einer Handtasche ein menschliches Accessoire am Arm. 

2013: Punk: Chaos to Couture

In diesem Jahr ging es um die Verschmelzung von Punk und Haute-Couture.  Punk steht für eine Haltung, die gesellschaftliche Normen konsequent ablehnt. Da Punk keine bloße Ästhetik ist, sondern eine Einstellung, verliert der Begriff an Bedeutung, sobald er kommerziell ausgeschlachtet wird. Ein bekannter Slogan der Bewegung ist nicht ohne Grund „Eat the Rich”. Am ersten Montag im Mai 2013 gab es für wahre Punks jedoch nichts zu essen, weil sich das ganze „Futter” im Met Museum aufhielt.

2015: China: through the looking glass

Das Thema sollte den Einfluss chinesischer Kunst auf westliche High Fashion feiern, geriet aber wegen des klischeehaften westlichen Blickes stark in die Kritik. Im Nachhinein sagte das Thema mehr über die USA aus als über China. Das Spektrum reichte von kulturellen Verwechslungen (wie Lady Gaga im Kimono) über stereotype Vorstellungen (wie Emma Roberts mit Essstäbchen im Dutt) bis hin zum Ignorieren chinesischer DesignerInnen.

2018: Heavenly Bodies: Fashion & The Catholic Imagination 

In jenem Jahr widmete sich die Met Gala dem Einfluss des Katholizismus auf die Modewelt. Diesmal konnte man den Prominenten keinen Vorwurf machen, viele setzten das Motto außergewöhnlich einfallsreich um. Obwohl die Ausstellung im Vorfeld sogar vom Vatikan genehmigt wurde, löste das Event eine Welle der Kritik aus, da viele die Inszenierung religiöser Symbole auf einem glamourösen roten Teppich als respektlos empfanden. Aus heutiger Sicht wirkt diese Kombination jedoch noch kritischer: Eine exklusive Feier der Superreichen, die eine der mächtigsten und konservativsten Institutionen der Welt zelebriert.

2019: Camp: Notes on Fashion 

Statt Zelten in der Natur drehte sich bei diesem Thema alles um übertriebene Kunst, Humor und kompromisslose Selbstdarstellung. So steht im Englischen der Begriff camp auch für die ironische Zelebrierung von „schlechtem Geschmack”. Die Outfits der Gäste fielen entsprechend schrill aus. Unvergessen bleiben Lady Gagas vierfacher Kostümwechsel sowie Katy Perry im riesigen Kronleuchter-Look. Obwohl das Motto weitgehend gut aufgenommen wurde und als überraschend unproblematisch galt, vermissten manche KritikerInnen noch mutigere Inszenierungen. Enttäuschend war außerdem, dass nur zwei Drag Queens eingeladen wurden. Schließlich war es vor allem die Drag-Subkultur, die dem Begriff camp überhaupt erst zur Bedeutung verholfen hat.

2023: Karl Lagerfeld: A Line of Beauty

Das Lebenswerk und der Einfluss des verstorbenen Modedesigners Karl Lagerfeld waren das Motto der Met Gala 2023. Die Gäste hielten sich überwiegend sehr nah am Thema. Sie trugen klassische Schwarz-Weiß-Outfits, Chanel, Perlen oder verkleideten sich als Lagerfelds Katze Choupette. Die Widmung weckte auch kritische Stimmen. Karl Lagerfeld war zwar eine Mode-Ikone, fiel zu Lebzeiten aber immer wieder durch problematische Aussagen über den Körper von Frauen auf sowie durch seine Haltung gegenüber der #MeToo-Bewegung.  

2024: Sleeping Beauties: Reawakening Fashion 

Die Met Gala 2024 widmete sich dem Thema „Sleeping Beauties: Reawakening Fashion“, während für den roten Teppich der Dresscode „The Garden of Time“ galt. Das Konzept stellte historische, besonders fragile Kleidungsstücke in den Mittelpunkt, die nicht mehr getragen werden können und nutzte die Natur als Symbol für die Vergänglichkeit der Mode.
Statt die Idee des Mottos aufzugreifen, konzentrierten sich viele Gäste jedoch mehr auf eine wortwörtliche Umsetzung des Themas. Das Ergebnis war eine Flut an floralen Outfits, wodurch die Veranstaltung teilweise einem Schrebergarten glich.

Honorable Mention:

2016 Manus x Machina: Fashion in an Age of Technology

Im Mittelpunkt stand das Zusammenspiel von handwerklicher Präzision und maschineller Fertigung. Damals ein gelungenes Thema und in den meisten Fällen auch eine kreative Umsetzung.  Rückblickend aber auch ein Vorbote auf die Job-Apokalypse und AI-Slop-Flut, die jetzt über die Modeindustrie hereinbricht. 

Was genau uns beim nächsten Met-Gala-Motto erwartet, findest du hier.

Falls dich interessiert, welche Stars letztes Jahr an der Met Gala überzeugten und welche nicht, dann klicke hier.

Fotos: © picture alliance (dpa)

Tags: homepageMet GalaMet-Mess-Diagram
Alicia Buchs

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