Außergewöhnliche Talente vor der Kamera, hinter dem Mikrofon, am Herd oder am Computer – wir haben einmal mehr die spannendsten Gesichter der Stunde aufgestöbert.
AKIRA FLORES
MACH MAL LAUTER
Tipp, um schön durchs Leben zu kommen: Immer der guten Musik nach. So wie neulich, als wir den Soundcheck von Akira Flores für ein Openair-Konzert durchs offene Fenster der Redaktion hörten. Perfektes Timing: Akiras Album „Pura Vida“ droppt am 5. November, danach folgt eine Tour durch Spanien und die Schweiz. Wer bei seiner Musik an Bad Bunny denkt, kriecht ins richtige Rabbit Hole. Doch der Mix aus lateinamerikanischen Genres und relaxten Electro-Beats hält weitere spannende Wendungen bereit. Wir sollten öfter bei offenem Fenster arbeiten.

Foto: ©AKIRA FLORES
ADÉLA
PIROUETTEN IN BUFFALOS
It’s not Britney, bitch. Aber Adéla ist ihrem Vorbild mit Sissonne-Sprüngen auf der Spur. Als ausgebildete Balletttänzerin weiß die Slowakin, wie man elegante Auftritte hinlegt. Doch lieber füllt sie den Schwanensee mit pinkem Glitter und rührt darin die Y2K Retrowelle an. Beim TV Casting für die Girlgroup Katseye flog Adéla als Erste raus. Aber irgendwo haben wir gelesen, dass die Letzten die Ersten sein werden. Jetzt startet die Sängerin solo durch und ihr Song „Nicole Kidman“ hat selbst der Besungenen die Dankesröte ins Gesicht getrieben.

Foto: © PICTURE ALLIANCE / NEWSCOM | CHRIS CHEW
DARIO VITALE
LEADING LEGACIES
Ist er der Mann, dem die Dynastien vertrauen? Nach dem Abgang von Donatella übernahm Dario Vitale die kreative Leitung von Versace. Dann übernahm Prada Versace, aber nicht Vitale. Che vai! Der stille Ästhet, der zuvor 15 Jahre lang am Aufstieg von Miu Miu beteiligt war, blieb nicht lange auf seiner (zweifellos wunderschönen) Couch sitzen: Armani hat ihn zum neuen Creative Director ernannt. Nach dem Tod von Giorgio zieht so erstmals eine neue Person für Armani die Fäden. Und wir sind guter Hoffnung, dass diese makellos verarbeitet sein werden.

Foto: © JEANNETTE MONTGOMERY BARRON
ASTRA TAYLOR
KATASTROPHENHILFE
Am liebsten schreiben wir über die schönen Dinge. Astra Taylor tut das nicht. Gut so. Die kanadische Aktivistin und Autorin hat gemeinsam mit Kollegin Naomi Klein das Buch „End Time Fascism: And the Fight For the Living World“ veröffentlicht. Ein dramatischer Titel, doch die Realität gibt sich derzeit fleißig Mühe, um diesem gerecht zu werden. Taylor und Klein legen die politischen Verstrickungen der Tech-Branche offen und malen dabei ein Bild aus Kohlestiften. Doch mitten in der finsteren Vision pflanzen sie auch einen winzigen Samen Hoffnung.

Foto: © RACHAEL MCINTOSH
JOSH SILVER
WRITE OR WRONG
Als psychiatrische Pflegefachperson, spezialisiert auf queere und drogenabhängige Jugendliche, hat Josh Silver viel gesehen. Jetzt hat er es niedergeschrieben. Entstanden ist eine bitterböse Satire: In seinem Roman „Fruit Fly“ freundet sich eine Schriftstellerin mit einem Obdachlosen an und – verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Bestseller- Story – schlachtet dessen Schicksal für ihr literarisches Comeback aus. Wer wie wir diese rabenschwarze Sommerlektüre verschlungen hat, kann sich auf die dazu geplante Miniserie vom Filmstudio A24 freuen.

Foto: © CROOKED LANE BOOKS
ALBA LARSEN
FAST & GLORIOUS
Andere büffeln mit 17 Jahren für die Fahrprüfung. Alba Larsen jagt auf Formel-1 Strecken Bestzeiten. Seit 2026 fährt die Teenagerin in der F1 Academy im Ferrari und landete im Sommer wiederholt auf dem Podest. Damit gilt die Dänin als eines der größten Nachwuchstalente in der Welt des Wrrrroooooom. Die Konkurrenz soll ihr aber auf den Fersen, äh, Reifen bleiben. Deshalb hat Larsen das Girls International Racing Lab (G.I.R.L.) gegründet, eine Initiative, die Mädchen für den Motorsport begeistern will und bereits über 600 Teilnehmerinnen zählt.

Foto: © PICTURE ALLIANCE / NORDPHOTO GMBH | NORDPHOTO/MEMMLER
ALI ASGARI
LICHTBLICKFÄNGER
Es schaut düster aus. Insbesondere wenn der Blick in den Nahen Osten schweift. Ali Asgari findet zumindest „A Bit of Light“. Der neue Film des Regisseurs steht in der Tradition des iranischen Autorenkinos, sucht das Politische im Alltäglichen und rüttelt auf, ohne laut zu werden. Die Leinwand nutzt der Filmemacher, um seine Erfahrungen im Irankrieg zu verarbeiten. Banalitäten werden von Bomben unterbrochen und umgekehrt. Auf den Filmfestivals von Venedig und Zürich gab es dafür viel Applaus. Denn Kunst hat bislang noch jeden Krieg überdauert.

Foto: © PICTURE ALLIANCE / GEISLER-FOTOPRESS | ANNA MARIA TINGHINO/GEISLER-FOTO
ROSALIND ELEAZAR
GREEN TO GOLD
Wir wollen nicht angeben. Tun es aber trotzdem: Als wir das letzte Mal an dieser Stelle eine Oscar-Prophezeiung für die beste Hauptdarstellerin (Mikey Madison in „Anora“) abgaben, hob kurz darauf Miss Madison das Goldmännchen in die Höhe. Das soll jetzt keine Aufforderung sein, die Ersparnisse ins nächste Wettbüro zu tragen – aber: Was Rosalind Eleazar im Drama „Misty Green“ aufführt, ist ganz großes Kino. Und macht das Talent der Engländerin, deren Film-Casting beinahe durch schlechtes Wi-Fi ruiniert wurde, vom Geheimtipp zum Allgemeinwissen.

Foto: © PICTURE ALLIANCE / ANADOLU | MERT ALPER DERVIS
SANDRA CHOI
HEEL THE WORLD
In den vergangenen Monaten wurden in der Modebranche Creative Directors ausgetauscht wie Fußballsticker auf dem Pausenhof. Eine aber blieb, wo sie ist. Wo sie schon immer war. Seit 30 Jahren verantwortet Sandra Choi den wortwörtlichen Auftritt von Jimmy Choo. Unter ihr wurde die Schuhmarke erst Luxus-, dann Popkulturgut. Und nach einem kurzen Post-Post-Pandemie-Tief klacken 2026 JCs Kassen wieder wie ein spitzer Absatz auf dem Marmorboden. Das British Fashion Council zeichnet Choi deshalb im November mit dem Special Recognition Award aus.

Foto: © PICTURE ALLIANCE / PHOTOSHOT
ASHA SHARMA
ON ANOTHER LEVEL
Der Job als CEO von Xbox ist etwa so schwierig wie ein No Hit Run in „Elden Ring“. (Pro Jahr gönnen wir uns höchstens einen Videospiel-Vergleich im Heft, es sind also keine weiteren zu befürchten.) Die Health Bar des Gaming-Giganten hat in den vergangenen Jahren arg gelitten. Nun greift Asha Sharma zum Controller und baut das Unternehmen fundamental um. Dazu arbeitete sie sogar im Customer Support und beantwortete persönlich und inkognito die Fragen und Sorgen der SpielerInnen. Game Over? Mit dieser Einstellung garantiert noch lange nicht.

Foto: © MICROSOFT / JASON LEWIS
MATTHEW RHYS
DOUBLE TROUBLE
Kurzer Crashkurs in griechischer Mythologie: Thalia ist die Muse der Komödie, Melpomene jene der Tragödie. Ihre lachenden und weinenden Masken sind das universelle Symbol fürs Theater. Doch eigentlich reicht ein Gesicht: das von Matthew Rhys. Er gewann bei den letzten Emmys alle Kategorien als Hauptdarsteller. Zum einen für die Horror- Comedy „Widow’s Bay“, zum anderen fürs Psychodrama „The Beast In Me“. Der Waliser hat damit etwas erreicht, das noch keinem Kollegen vor ihm gelungen ist. Wir lachen und heulen, vor allem aber: applaudieren.

Foto: © PICTURE ALLIANCE / NURPHOTO | IMAGE PRESS AGENCY
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