Musik und Comedy aus Deutschland, ein Profischwimmer, der zu Stricknadeln greift und ein Fußballer, der in den Charts landet: Unsere Heldinnen und Helden im September muss man auf dem Schirm haben.
Retrofitting
Sienna Spiro
Man kann im Jahr 2026 Petticoats und Beehive-Frisur tragen, ohne dabei auf Instagram einen Sauerteig zu kneten, bis der Trad Husband nach Hause kommt. Optisch und musikalisch scheint Sienna Spiro direkt aus einem Milkshake-Wetttrinken circa 1956 gefallen zu sein. Doch ihre Songs behandeln Themen, die moderne Befindlichkeiten ergründen. Statt sonniger Nostalgietrip ist Siennas Debütalbum „Visitor» zur melancholischen Gegenwartsanalyse geworden. Als würden sich Dusty Springfield und Billie Eilish die Hand reichen. Herbstblues-Soundtrack: Check!

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Elite Force
Ester Expósito
Schauspielerin Ester Expósito hat einen neuen Freund. Er heißt Kylian Mbappé und macht irgendwas mit Fußball. Gewonnen hat er bei der letzten WM nichts. Im Gegensatz zu Ester, die kürzlich den International Golden Nymph for Most Promising Talent gewann. Seit ihrer Rolle in der Serie „Elite» (eine Art „Euphoria» mit Schuluniformen) ist die Spanierin in die erste Liga der Prominenz aufgestiegen. Und nutzt ihre Reichweite für Kampagnen wie „Not a Doll» von Desigual. Diese ermutigt junge Frauen dazu, Schönheitsnormen eine rote Karte zu zeigen.

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Coming Home
Macaulay Culkin
Als Kevin war er allein zu Haus. Als Kinderstar dazu verdammt, in Hollywoods Hinterhof entsorgt zu werden. Doch Macaulay Culkin gelang es, aus dem Rampenlicht zu treten, bevor es ihn verbrannte. Seither hält sich der 45-Jährige abseits des Mainstreams mit Spaß-Projekten und Gastauftritten bei Laune. Oder sitzt seit der Übernahme von Jonathan Anderson bei Dior-Shows als Stammgast in der ersten Reihe. Deshalb sind Culkins aktuelle Pläne für einen neuen „Home Alone»-Film auch keine Verzweiflungstat, sondern die entspannte Rückkehr nach Hause.

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Serving Country
Alexandra Eala
Und plötzlich sind die Philippinen eine Tennis-Nation. Wo Alexandra Eala aufschlägt, strömt die Diaspora ins Stadion. Zuhause wird die 21-Jährige nach ihren Erfolgen empfangen wie höchster Staatsbesuch und ziert als Spiel- und Stil-Ikone das Vogue-Cover. In diesem Sommer gewann Eala in Washington ihr erstes WTA-Turnier und rückte im Ranking unter die 20 besten Spielerinnen der Welt. Trotzdem fühlt es sich an, als würde hier nur das erste Kapitel philippinischer Sportgeschichte geschrieben – mit einem großen Happy End am Schluss.

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Wool Jump
Tom Daley
Dieser Goldjunge weiß, wie es sich anfühlt, tief zu fallen. Bei den Olympischen Spielen gewann Tom Daley die Gold- und Silbermedaille im Turmspringen. Nach einer fast zwanzigjährigen Sportkarriere trocknete sich der Engländer 2024 ab und griff zur Nadel. Keine Bange. Es folgte keine Absturz-Tragödie, sondern eine steile Karriere im Stricken. In der Pandemie hatte Tom damit als Hobby begonnen, inzwischen konzentriert er sich auf den Maschenlauf und hat die Strickmarke Made With Love gegründet. Wir wissen, was uns in diesem Winter warm hält.

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Krisenkino
Carolina Cavalli
Ihre Filmfiguren sind wie Igel, die sich an dich kuscheln wollen. Carolina Cavalli dreht Geschichten mit Protagonistinnen, die niemanden an sich heranlassen wollen und trotzdem nach Nähe suchen. Mit „Amanda» und „The Kidnapping of Arabella» drehte die Regisseurin zwei Arthouse-Hits, die das Publikum mit komplexen Charakteren fesselt und Chris Pine Italienisch beibringt. Für die kommenden Filmfestspiele in Venedig präsidiert die Mailänderin die Jury für das beste Spielfilmdebüt. Und steht dabei selbst erst am Anfang einer carriera straordinaria.

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Chartsstürmer
Ansu Fati
Als Ansu Fati beim FC Barcelona die Rückennummer von Lionel Messi übernahm, war das, als würde ihm Thors Hammer in die Hand gedrückt mit der Bitte, jetzt die Welt zu retten. Dann unterbrach eine Verletzung den sagenhaften Aufstieg des Nachwuchstalents aus Guinea-Bissau. Statt vom Krankenbett alle Staffeln von „Married At First Sight» zu bingen wie der Rest von uns, machte Ansu Musik. Jetzt steht er wieder erfolgreich für den AS Monaco auf dem Platz. Und landete mit seiner Debütsingle „Sea como sea» einen millionenfach gestreamten Volltreffer.
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Kickt Bälle genauso gut wie Beats

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Soft Power
Zartmann
Wenn Jungs für erfolgreiche deutsche Chartsmusik den Mund aufmachen, gibt es gefühlt zwei Varianten: Dumpf-Rap, zu dem du beim Pumpen das eigene Spiegelbild anschreist. Oder Kommerz-Slop, bei dessen Biederkeit selbst die „Live, laugh, love»-Wandtattoos im Wohnzimmer abblättern. Und dann gibt es noch Zartmann. Dessen Songs sind sensibel und introspektiv und bringen trotzdem alle Jelly Shoes zum Tanzen. In diesem Sommer bewies der Berliner, dass sein Küchentisch-Pop auch auf den ganz großen Festivalbühnen funktioniert. Bitte bald Zugabe, ja?

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Lachverständige
Maraam Tarraf
KomikerInnen auf Social Media sind wie Urzeitkrebse. Nimmt man sie aus dem kleinen bunten Kasten und setzt sie in die freie Wildbahn, gehen sie in kürzester Zeit komplett ein. Maraam Tarraf ist die Ausnahme gelungen. Auf Tiktok und Instagram wurde die Deutsche mit libanesischen Wurzeln zum Star dank einem Humor, der Klischees bricht und Vorurteile abbaut. Und als Maraam ihr Programm auch im TV und auf Live-Bühnen kultivierte? Wurde sie zur noch größeren Sensation. Und die deutsche Comedy-Szene off- und online ein gutes Stück vielfältiger.

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Past Fashion
Olivier Saillard
Modetrends bestimmen andere. Modegeschichte aber, die wird von Olivier Saillard bewahrt. Der Historiker und Kurator hängt dazu keine alten Kostüme an Puppen im Museum. Gemeinsam mit Tilda Swinton inszenierte er in der Pariser Fondation Cartier stilbildende Kleidung der Vergangenheit als „Le Musée Vivant de la Mode». Von Haute Couture bis Workwear wurden Gewänder als Erinnerungsträger und lebendige Kunstform zelebriert. Parallel betreut der Franzose die Fondation Azzedine Alaïa und speist mit Archivfunden die modischen Inspirationen der Zukunft.

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Ausgekocht
Eddie Huang
Dieser Mann hat mehr Talente als ein Donut Kalorien. Eddie Huang war Anwalt, Designer, Filmemacher und Koch. Mit 30 Jahren hatte er bereits alle Zutaten für seine Memoiren „Fresh Off the Boat», die als TV-Sitcom zum Hit wurden. Eddies Restaurant Baohaus brachte die USA 2009 auf den Geschmack von taiwanesischem Street Food. Nach längerer Pause geht das Konzept jetzt in den zweiten Gang und lässt das East Village noch etwas besser duften. Kleines Supplement gefällig? Eddies Debütroman „Come Undone» liegt frisch auf dem Servierteller. Dig in!

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