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Van Cleef & Arpels zeigt Schmuckstücke im MAK in Wien

by Lisa Hollogschwandtner
07.09.2026
in CULTURE
Van Cleef & Arpels zeigt Schmuckstücke im MAK in Wien

Die Ausstellung „GLANZSTÜCKE“ von Van Cleef & Arpels im MAK in Wien.

MEETING OF MASTERPIECES

Zwei Archive, ein Dialog über die Zeit: Im Wiener MAK begegnen sich die Patrimony Collection von Van Cleef & Arpels und die hauseigene Sammlung des Museums noch bis 27. September 2026 unter dem Titel „GLANZSTÜCKE“ – und erzählen gemeinsam von Handwerkskunst und der leisen Magie des Unsichtbaren. Alexandrine Maviel-Sonet, Patrimony & Exhibitions Director bei Van Cleef & Arpels, hat diese Begegnung als Gastkuratorin maßgeblich mitgeprägt. Ein Gespräch über Poesie als kuratorisches Prinzip und Design, das Generationen überdauert.

FACES: Eine vielleicht ungewöhnliche Frage zu Beginn, denn sie zielt auf das Verlassen der Ausstellung ab: Welches Gefühl soll Besucherinnen nach GLANZSTÜCKE noch begleiten?
Alexandrine Maviel-Sonet: Ich wünsche mir, dass etwas von der Poesie dieser Ausstellung bei ihnen bleibt. Als wir gemeinsam mit dem Szenografen Tsuyoshi Tane an diesem Projekt gearbeitet haben, wussten wir sofort, dass er jenes poetische und beinahe märchenhafte Gespür teilt, das Van Cleef & Arpels seit jeher auszeichnet. Genau dieses Gefühl wollten wir für die Besucherinnen erfahrbar machen. Die Ausstellung soll nicht nur Informationen vermitteln oder außergewöhnliche Objekte zeigen. Sie soll dazu einladen, langsamer zu werden, genauer hinzusehen und sich zu erlauben zu staunen.

F: Tatsächlich gelingt der Ausstellung etwas, das heute immer seltener wird: Sie entschleunigt. War dieses Innehalten von Anfang an Teil des Konzepts?
AMS: Absolut. Deshalb haben wir uns auch für den Aufbau als Labyrinth entschieden, um Besucherinnen dazu einzuladen, sich treiben zu lassen. Man bewegt sich langsamer durch die Räume, bleibt stehen, entdeckt Zusammenhänge und nimmt sich ganz automatisch mehr Zeit für jedes einzelne Objekt. Gleichzeitig gibt diese Struktur der Ausstellung einen ruhigen Rhythmus. Sie führt von Kapitel zu Kapitel – von den Inspirationen ferner Kulturen über Architektur und ornamentale Formen bis hin zu Natur und Kosmos. Jedes Thema eröffnet einen neuen Blickwinkel und zeigt, wie dieselben Ideen über Jahrhunderte hinweg in ganz unterschiedlichen Disziplinen wiederkehren. Gerade dieses langsame Wandern macht die Beziehungen zwischen den Objekten sichtbar. Plötzlich erkennt man, wie selbstverständlich ein historisches Möbelstück, ein Teppich aus dem 17. Jahrhundert oder ein Schmuckstück aus unserer Sammlung dieselbe gestalterische Sprache sprechen können.

F: Wenn zwei so bedeutende Sammlungen erstmals aufeinandertreffen: Wie hat sich Ihre Beziehung zu Beginn angefühlt? Gab es einen Moment, der deine Perspektive auf das gesamte Projekt verändert hat?
AMS: Zu Beginn lag unser Fokus ganz selbstverständlich auf der Wiener Werkstätte. Schließlich fällt ihre Blütezeit nahezu mit der Gründung von Van Cleef & Arpels im Jahr 1906 zusammen. Schnell wurde deutlich, dass beide Welten viel verbindet – nicht nur ästhetisch, sondern auch im Verständnis von Handwerkskunst, Materialität und dekorativen Künsten. Durch die Zusammenarbeit mit den Kuratorinnen des MAK öffnete sich der Blick jedoch weiter. Die Ausstellung entwickelte sich von einem Dialog zweier historischer Sammlungen zu einer Verbindung über Jahrhunderte hinweg. Ein tolles Beispiel ist für mich das Zusammenspiel unseres Smaragd-Colliers mit einem zeitgenössischen Werk von Gerhard Richter: Was zunächst ungewöhnlich erschien, wirkt im direkten Dialog vollkommen selbstverständlich.

„In einer Welt, in der vieles flüchtig geworden ist, besitzen Schmuckstücke eine erstaunliche Beständigkeit.“

F: Bei zwei Archiven dieser Größe ist Kuratieren nicht zuletzt die Kunst des Weglassens. Wie findet man aus einer nahezu unbegrenzten Zahl von Möglichkeiten genau jene Objekte, die am Ende miteinander sprechen?
AMS: Zunächst braucht es ein sehr klares inhaltliches Gerüst. Ohne die Entscheidung für unsere einzelnen Themenkapitel wäre diese Ausstellung kaum möglich gewesen. Allein mit den Textilien oder den Spitzen des MAK ließen sich mehrere eigenständige Ausstellungen gestalten. Deshalb mussten wir zuerst definieren, welche Geschichten wir überhaupt erzählen wollen. Danach spielte Intuition eine große Rolle. Unser Ziel war nie, möglichst viele Meisterwerke zu versammeln. Entscheidend war vielmehr, dass jede Begegnung eine Bedeutung hat. Jeder Dialog sollte für sich verständlich sein und ohne lange Erklärungen funktionieren. Wenn Besucherinnen unmittelbar erkennen oder zumindest intuitiv fühlen, weshalb zwei Objekte zusammengehören, dann entsteht genau jene Selbstverständlichkeit, die eine gute Ausstellung ausmacht.

F: Viele Stücke der Patrimony Collection wurden einst von außergewöhnlichen Persönlichkeiten getragen. Wenn du heute vor ihnen stehst – spürst du diese Geschichten?
AMS: Ja, und ich glaube sogar, dass genau darin die besondere Kraft von High Jewellery liegt. Sobald wir eine Halskette oder ein Armband betrachten, sehen wir nicht nur das Objekt selbst. Ganz automatisch beginnen wir, uns die Person vorzustellen, die es einst getragen hat. Vielleicht war es ein besonderer Anlass, vielleicht gehörte das Schmuckstück über Jahrzehnte zu ihrem Leben. Diese Vorstellung begleitet unseren Blick. Gleichzeitig passiert noch etwas anderes: Wir projizieren uns selbst hinein. Fast jeder Mensch stellt sich unbewusst die Frage, wie sich dieses Schmuckstück anfühlen und an einem selbst aussehen würde. Diese Projektion schafft eine unmittelbare Nähe zum Objekt. Sie macht Schmuck emotional zugänglicher als viele andere Kunstformen. Vielleicht berührt uns High Jewelry deshalb so direkt. Hinter jedem Stück steht nicht nur außergewöhnliche Handwerkskunst, sondern immer auch eine menschliche Geschichte.

F: Handwerk wirkt in GLANZSTÜCKE fast wie eine universelle Sprache, die Jahrhunderte miteinander verbindet. Welche Rolle spielt Savoir-faire heute noch für Van Cleef & Arpels?
AMS: Es ist unser Fundament. Genau deshalb fühlt sich diese Ausstellung im MAK auch so selbstverständlich an. Ein Museum für angewandte Kunst beschäftigt sich mit den Techniken, Materialien und gestalterischen Ideen, die hinter einem Objekt stehen – und diese tragen auch unsere Kreationen. Hinter jeder einzelnen davon stehen unzählige Entscheidungen: Wie wird Gold verarbeitet? Welche Schliffe erhalten die Steine? Wie verändern unterschiedliche Fassungen das Licht? Das eigentliche Savoir-faire liegt oft in Details, die die Betrachterin zunächst gar nicht bewusst wahrnimmt – deren Wirkung man aber sofort spürt.

„Diese Momente des Staunens, der Schönheit und der Vorstellungskraft machen unser Leben so besonders.“

F: Das berühmte Mystery Set gilt als Sinnbild dieses unsichtbaren Handwerks. Kann auch das, was dem direkten Blick verborgen bleibt, künstlerischer Ausdruck sein?
AMS: Ich glaube sogar, dass genau darin eine besondere Form von Schönheit liegt. Nicht alles muss sichtbar sein, um seine Wirkung zu entfalten. Manchmal entsteht gerade dann die stärkste emotionale Erfahrung, wenn man etwas eher empfindet als versteht. Beim Mystery Set sieht man nicht, wie die Edelsteine gehalten werden. Stattdessen entsteht eine vollkommen glatte, beinahe samtige Oberfläche. Man erkennt die technische Meisterleistung nicht auf den ersten Blick – und genau das macht ihren Reiz aus.

F: High Jewellery erlebt derzeit eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit. Warum berührt sie Menschen heute so sehr?
AMS: Weil High Jewellery eine Beziehung zur Zeit schafft, die heute fast außergewöhnlich geworden ist. Ein Schmuckstück entsteht nicht für einen einzigen Moment. Es begleitet Menschen oft über Jahrzehnte oder sogar Generationen hinweg. Wenn wir ein historisches Juwel betrachten, sehen wir nicht nur seine Gestaltung. Wir denken automatisch an seinen Weg. Vielleicht gehörte es einer Frau in den 1920er-Jahren, wurde später an ihre Tochter weitergegeben, Jahrzehnte danach erneut getragen und befindet sich heute in unserer Sammlung. Mit jeder Generation kommen neue Erinnerungen hinzu. Gerade diese Kontinuität berührt viele Menschen. In einer Welt, in der vieles flüchtig geworden ist, besitzen Schmuckstücke eine erstaunliche Beständigkeit.

F: Was soll für BesucherInnen von der Begegnung zwischen Van Cleef & Arpels und dem MAK über die Ausstellung hinaus bestehen bleiben?
AMS: Ich hoffe, dass die BesucherInnen mitnehmen, dass angewandte Kunst ein sehr weites Feld ist und Jewellery ein selbstverständlicher Teil davon. Vor allem aber wünsche ich mir, dass sie die Bedeutung von Poesie im Alltag wiederentdecken. Denn genau diese Momente des Staunens, der Schönheit und der Vorstellungskraft machen unser Leben so besonders.

F: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was hallt für dich selbst aus diesem Projekt nach?
AMS: Natürlich bleibt mir vor allem die menschliche Dimension dieser Zusammenarbeit in Erinnerung. Die Verbindung, die zwischen den Teams des MAK, Van Cleef & Arpels und dem Szenografen Tsuyoshi Tane entstanden ist, ist eine besondere und wir hatten große Freude daran, gemeinsam an diesem Projekt zu arbeiten. Genau diese Harmonie ist auch in der Ausstellung spürbar. Wenn verschiedene Perspektiven nicht einfach nebeneinander gestellt werden, sondern wirklich miteinander in Beziehung treten, entsteht etwas Besonderes.

GLANZSTÜCKE
Wenn die Wiener Werkstätte auf Haute Joaillerie trifft, entsteht ein Dialog über zeitlose Gestaltung, außergewöhnliches Handwerk und die Kraft von Schönheit. Die Ausstellung GLANZSTÜCKE im MAK vereint erstmals rund 500 ausgewählte Objekte aus der Sammlung des Museums mit Meisterwerken aus der Patrimony Collection von Van Cleef & Arpels. GLANZSTÜCKE MAK – Museum für angewandte Kunst Wien, bis 27. September 2026, mak.at, vancleefarpels.com

Alles zur Ausstellung GLANZSTÜCKE findest du hier.

 Fotos: © Van Cleef & Arpels

Mehr Schmuck findest du hier.

Tags: GlanzstückeMAK WienPatrimony CollectionVan Cleef & Arpels
Lisa Hollogschwandtner

Lisa Hollogschwandtner

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