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Home FASHION

Schauspielerin Lary Müller im Interview

by Josefine Zürcher
07.09.2026
in FASHION
Schauspielerin Lary Müller im Interview

Eines Tages möchte sie von München nach Venedig wandern, verrät uns Lary Müller im Interview. Ein Klacks, finden wir. Denn die Deutsche zog es bereits aus dem schwäbischen Städtchen Balingen in ein Londoner Schauspielstudio. Und von dort ging es nach Berlin vor und hinter der Kamera für die international erfolgreiche Historienserie „Der Palast». Wir sprechen mit Lary über die verbindende Kraft von Filmen und welchen Look sie am liebsten einmal von einem Set stibitzt hätte.

FACES: Wann hast du entschieden, dass du Schauspielerin werden willst? Gab es etwas, das dich mit dem Schauspielfieber infiziert hat?
Lary Müller: Als Kind habe ich mit meinen Eltern viele Filme geschaut und schon früh eine Faszination entwickelt. Als Teenager bekam ich eine Jean-Luc Godard DVD-Box von meinem Freund geschenkt und ich schaute Filme von Jim Jarmusch, Wes Anderson oder Lars von Trier. Später besuchte ich ein Meisner Studio in London.

F: Wenn du deine Top 3 Lieblingsfilme zusammenstellen müsstest, was müsste auf dieser Liste sein?
LM: „Beau Travail» von Claire Denis, „A Swedish Love Story» von Roy Andersson, „The Worst Person in the World» von Joachim Trier.

F: Welcher Film bringt dich zum Weinen?
LM: „Amour» von Michael Haneke.

F: Welche Rolle willst du unbedingt einmal spielen?
LM: Mich interessieren echte Lebensgeschichten.

F: Was lernt man bei der Schauspielerei, was man nirgendwo sonst lernen kann?
LM: Vielleicht eine Art im Hier und Jetzt zu sein.

„Beim Spielen lernt man vielleicht eine Art im Hier und Jetzt zu sein.“

F: In manchen Produktionen spielst du auf Englisch. Inwiefern ändert sich das Schauspielern je nach Sprache, in der du spielst?
LM: Die Sprache verändert vieles. Gerade drehe ich eine Serie auf Schwäbisch und kann erstmals auf so vertraute Weise sprechen. Ich fühle mich anders, wenn ich englisch oder französisch rede. Es entsteht mit der Sprache eine Welt. Allgemein gesprochen kann man vieles nicht übersetzen. Auf Englisch zum Beispiel fällt vielleicht nicht nur mir der Smalltalk leichter.

F: Deine liebste Rolle bisher?
LM: Tilda Swinton sagte hierzu, das sei wie zu fragen, welches seiner Kinder man am liebsten habe.

F: Was fasziniert dich am meisten daran, in eine andere Rolle zu schlüpfen?
LM: Im Leben habe ich oft das Gefühl, Zuschauer zu sein. Ich observiere und fühle nach. Im Spiel kann ich menschlicher Erfahrung eine Stimme verleihen.

F: Gab es bereits Rollen, die du gespielt hast, die du nicht mehr los wurdest?
LM: Etwas von einer Rolle bleibt immer hängen. Die Figuren, die ich spiele, entstehen ja aus mir heraus und ich bin auch immer ein Mensch im Werden.

F: Was sollte sich in der Schauspiel- und Entertainmentbranche unbedingt ändern?
LM: Es herrscht der Gedanke, dass man Teil von etwas sein muss, um eine Stimme zu bekommen. Die Branche muss mutiger und kreativer sein, mehr zulassen.

F: Wie kommt man in einer kreativen und ehrgeizigen Branche am besten mit dem Druck klar?
LM: Bei sich selbst bleiben und sich nicht verkaufen oder anpassen.

F: Filme und Serien formen unsere Weltsicht stark mit. Welche Filme haben dich als Jugendliche stark geprägt und warum? Und inwiefern findest du, können Filme dazu beitragen, die Welt etwas besser zu machen?
LM: Filme können davon erzählen, was es bedeutet, Mensch zu sein. Wir alle können uns in Filmen verstanden und gesehen fühlen. Das stiftet Gemeinschaft. Das Gefühl, dass du dich mit einer Figur auf einer Leinwand so stark verbunden fühlst, auch wenn die Lebensumstände andere sind, hilft einem, sich weniger allein zu fühlen. Ich denke darum geht es in der Kunst; eine Sprache zu finden, die dem Menschen hilft, sich selbst zu erkennen. Idealerweise kann Film auch das Gefühl einer vielleicht unkonventionellen künstlerischen Eigenheit erwecken. Ich denke zum Beispiel an David Lynch.

F: Wenn du nicht vor der Kamera oder auf der Bühne stehen würdest, was würdest du gerne tun?
LM: Die Dinge, die ich auch jetzt mache, wenn ich nicht vor der Kamera stehe.

F: Wie bereitest du dich auf eine Rolle vor und was hältst du von Method Acting?
LM: Es ist ein individueller Vorgang. Manchmal recherchiere ich viel, manchmal stelle ich eine Playlist zusammen, die mich der Figur und ihrer Welt näher bringt oder es gibt eine körperliche Vorbereitung und ich trainiere viel, um das zu können, was nötig ist. Method Acting kann sinnvoll sein, aber ich würde mich keiner Methode verschreiben.

„Etwas von einer Rolle bleibt immer hängen.“

F: Für welche Regisseurin würdest du alles stehen und liegen lassen?
LM: Ich bin ein großer Fan von Christian Petzold.

F: Und mit welcher Schauspielerin würdest du am liebsten einmal zusammenarbeiten?
LM: Adele Exarchopoulos. Ich würde auch gerne auf Französisch spielen.

F: Was bedeutet dir Mode in deinem Alltag?
LM: Meine Kleidung ist mir wichtig. Sie muss mich gut fühlen lassen und mir helfen, zu sein, wie ich will. Mode im Sinn von Aktualität finde ich heute langweiliger. Das hat mich als Jugendliche mehr interessiert.

F: Gibt es einen Look, den du für eine Rolle tragen musstest, den du am liebsten für deine persönliche Garderobe übernommen hättest?
LM: Ja. Zuletzt trug ich für eine Szene ein Schlafoutfit mit einem weißen, schön eingetragenen Fiorucci T-Shirt mit blauen Engeln. Das hätte ich am liebsten behalten. Aber es war aus einem Fundus und ich habe gar nicht erst nachgefragt.

F: Was liebst du an Berlin, was weniger?
LM: Ich habe eine schöne Aussicht auf einen Friedhof, sehe eigentlich nur Bäume und den Himmel über Berlin. Ich mag aber auch das Leben, das mich dort umgibt. Die Kinos und Kneipen und die stark ausgeprägten Jahreszeiten in Berlin. Das Stadtleben wird mir andererseits auf Dauer immer wieder zu viel und ich bin daher nur ab und zu hier.

F: Wo müssen Berlin-Neulinge unbedingt hin?
LM: In die Schaubühne, das Kino International, auf einen Spaziergang zwischen Admirals- und Thielebrücke und in einen guten türkischen Grill.

F: Wie sehr brauchst du Social Media in deinem Alltag? Würdest du manchmal gerne offline gehen?
LM: Ich nutze das nur noch reduziert, möchte keinem ständigen Informationsstrom ausgesetzt sein und auch Langeweile zulassen, um dann Tagträume und neue Ideen haben zu können.

F: Führst du eine Bucket List? Falls ja, was steht da drauf?
LM: Ich möchte einmal von München nach Venedig wandern.

F: Wie stellst du dir dein Leben in ein paar Jahren vor?
LM: Ich bin froh, das nicht zu wissen. Ich hoffe, glücklich zu sein.

LARY MÜLLER

Berlin ist ein wildes Parkett. Doch die in der schwäbischen Idylle aufgewachsene Lary Müller meistert es ebenso leichtfüßig wie mit großen Schritten in Richtung Erfolg. Ihren Durchbruch als Schauspielerin feierte die ausgebildete Tänzerin mit der Hit-Serie „Der Palast“ über das legendäre Revuetheater in Berlin-Mitte. Ihre nächste Rolle spielt Lary in der zweiten Staffel der ZDF Comedy „Tschappel“. Und kehrt damit nach Hause zurück: „Tschappel“ handelt vom Aufwachsen im dörflichen Oberschwaben und wurde unter anderem mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

 Die gesamte Strecke mit Lary Müller und Dior findest du hier.

Hier bleibst du mit Lary up to date.

Fotos: © Max von Treu

Tags: DiorInterviewLarry MüllerSchauspielerin
Josefine Zürcher

Josefine Zürcher

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