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Home FASHION

Céline-Modesammlerin Martina Lohoff im Interview

by Mona Bergers
15.05.2026
in FASHION
Céline-Modesammlerin Martina Lohoff im Interview

Wir haben drei der wichtigsten deutschen ModesammlerInnen getroffen und ihre Schätze bestaunt. Martina Lohoff sammelt ihr Old Céline unter dem Dach, nah am Himmel. Im Interview erzählt sie uns, wie es zur Leidenschaft gekommen ist und warum sie vor allem eine spezifische Céline-Ära sammelt

Die Tasche war ein Geschenk. © Martina Lohoff / The Archive

FACES: Erinnerst du dich an deinen ersten dramatischen Sammelmoment?
Martina Lohoff: Eigentlich fing alles 2001 mit der Pferde-Kollektion von Stella McCartney für Chloé an. Als ich endlich den Rock ergattert hatte, bemerkte ich beim Tragen einen Wasserfleck. Zurück Zuhause wusch ich ihn aus. Als ich nach einer Stunde wieder ins Badezimmer kam, war die Farbe des Motivs komplett verlaufen. Ein schrecklicher Moment! Ich wusste nicht, was ich tun sollte – und recherchierte nach der weltbesten Reinigung; Madame Paulette in New York. Nach ein paar Wochen kam der Rock in einem kleinen Schrankkoffer zurück; er sah aus wie neu. Auch Phoebe Philo designte für Chloé, was ich jedoch erst später realisierte. Damit verfolgte ich sie schon vor ihrer Zeit bei Céline.

Martina Lohoff kurz vor der Céline-Show (HW18).

F: Heute zählst du zu den bekanntesten AnhängerInnen von Phoebe Philos Céline weltweit. Wie begann alles?
ML: Ich verliebte mich 2013 in die Birkenstocks mit Fell von Céline. Sie haben etwas Bizarres, fast Hässliches. Für den Kauf nahm ich Kontakt mit der Boutique in Florenz auf, wo mich schließlich Riccardo, bald ein Freund, empfing. Die E-Mail, mit der alles begann, habe ich noch heute. Es sind vor allem emotionale Erinnerungen, die ich mit dem Label verbinde. So wurde es etwa zur Tradition, dass meine Mutter, Schwester und ich ihn bis zu fünfmal im Jahr besuchten. Er hatte einen guten Draht nach Paris; konnte uns fast alle Designs besorgen. Mit den Entwürfen von Phoebe Philo lernte ich, mich immer wieder neu zu entdecken. Ihr Stil ist schlicht – und dann auch wieder das komplette Gegenteil.

© Martina Lohoff / The Archive
© Martina Lohoff / The Archive

„Mit den Entwürfen von Phoebe Philo lernte ich, mich immer wieder neu zu entdecken.“

F: Warum sammelst du gerade das sogenannte Old Céline oder Céline mit Akzent, also Designs aus der Ära von Phoebe Philo, 2009 bis 2017?
ML: Es gab diesen einen Schlüsselmoment; sozusagen zwischen Vergangenheit und Zukunft. Als langjährige Kundin lud mich Céline drei Tage nach Paris ein – mit Business-Class-Flug, Chauffeur und Hotel, sogar Lunch mit der CEO. Alles war wunderbar; die Crux war nur: es war die erste Show von Hedi Slimane; die erste nach Phoebe Philo. Uns wurde nahegelegt, Looks von ihm zu tragen. Doch wir alle erschienen, auch weil wir nicht anders konnten, trotzdem in Entwürfen von ihr. Jede von uns Gästinnen war in ihrem Wesen so unterschiedlich. Von außen konnte man nicht erkennen, was genau wir teilten. Da realisierte ich, was die Kollektionen von Phoebe Philo taten: Sie ließen jeder Einzelnen genug Raum, ihr Selbst individuell zu entfalten; niemals verkleidet zu wirken. In diesem Moment begann meine „Obsession“ für ihre Entwürfe. Es gab nichts mehr nach vorne, indem ich mich noch hätte sehen können.

F: Über deine Resale-Plattform TheArchiveDotCom sourcst du Old Céline auch für KundInnen.
ML: Ich hätte nie gedacht, dass aus meiner Leidenschaft ein Business werden könnte. Privat besitze ich derzeit rund 40 Stücke, weitere 200 bis 250 Designs biete ich zum Weiterverkauf für Pop-Ups & Co. an. Nachdem Phoebe Philo das französische Modehaus verlassen hatte, half ich anderen Fans an ihre Designs zu kommen. Riccardo beschaffte letzte Lagerbestände. Ich suchte über Céline-Outlets und Vintage-Plattformen wie Vestiaire Collective. Dann folgte eine Anfrage für ein Pop-Up in Paris und plötzlich berichtete die New York Times über mich. Alles ging Schlag auf Schlag! Über die Jahre habe ich enge Beziehungen zu PrivatarchivarInnen aufgebaut: Heute melden sich SammlerInnen von Amerika bis Asien bei mir, wenn sie etwas verkaufen möchten.

Céline, nicht von der Stange. © Martina Lohoff / The Archive
© Martina Lohoff / The Archive

F: Im Jahr 2024 launchte Phoebe Philo ihr eigenes Label. Wie hast du den Neubeginn erlebt?
ML: Ein unglaublicher Moment! Einen Tag vor dem Launch bekam ich sogar einen Anruf von Meta. Das Team von Phoebe Philo wollte, dass ich als eine der Ersten auf Instagram teile, wann die neue Website online geht. Ich saß hier in Dortmund und konnte es kaum glauben. Natürlich war ich auch gespannt, was es mit Old Céline und der Community machen würde, dass plötzlich wieder neue Entwürfe von Phoebe Philo auf den Markt kamen. Überraschenderweise gab es an dem Tag besonders viele Anfragen über TheArchiveDotCom. Meine private Sammlung habe ich natürlich auch um Stücke ihres eigenen Labels ergänzt.

Mehr von Martinas Sammlung siehst du hier.

Auch Michael Kardamakis ist ein leidenschaftlicher Sammler. Er hat das größte Helmut-Lang-Archiv der Welt.

Auch Lindiwe Suttle Müller-Westernhagen sammelt fleißig, und zwar Alaïa.

Tags: CélineChloeDortmundFlorenzHedi SlimaneMadame PauletteMartina LohoffNew YorkNew York TimesParisPhoebe PhiloStella McCartneyVestiaire Collective
Mona Bergers

Mona Bergers

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